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Ulrich Kirsch
Dr. Ulrich Kirsch
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60 Jahre HESSENMETALL:

60 Jahre im Dienst der Mitglieder


Im November 2007 feierte HESSENMETALL sein 60jähriges Bestehen – nach der Wiedergeburt. Wir haben das zum Anlass genommen, uns auf unsere demokratischen Wurzeln als Kampforganisation in der Sozialpartnerschaft zu besinnen, die langen Linien und den roten Faden der Tarifpolitik herauszuarbeiten und die Zukunft in den Blick zu nehmen: In einer bewährten Arbeitsteilung durch Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser, Vorstandsvorsitzenden Prof. Dieter Weidemann und Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender.

Der Arbeitgeberverband HESSENMETALL feierte in Frankfurt sein 60jähriges Bestehen nach der Wiedergründung 1947. „Tarifautonomie und Demokratie sind auf engste Weise verbunden und stützen sich wechselseitig. Deshalb ist die Tarifautonomie mit ihrer Umsetzung im Flächentarifvertrag ein hohes Gut, das wir Unternehmer, die den Arbeitgeberverband tragen, auch in Zukunft verteidigen müssen“, fasste der Weidemann seinen Durchgang durch die Historie zusammen. 1918 im Stinnes-Legien-Abkommen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften begründet und in die Weimarer Verfassung aufgenommen, später nach der Wiedergeburt der Demokratie in Deutschland auch in der Verfassung der Bundesrepublik verankert, habe die Tarifautonomie über die Jahrzehnte den Betriebsfrieden und ein geordnetes Verfahren der Konfliktbewältigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gesichert. Die Gefährdungen – die von der Zersplitterung in berufsständische und Spartengewerkschaften einerseits, von Aushöhlung der Tarifautonomie durch Mindestlöhne andererseits ausgingen – seien heute nicht geringer als früher.


 
Gesamtmetallpräsident Martin Kannegiesser zeichnete den Weg in die Zukunft. Es muss oberste Richtschnur unserer Tarifpolitik bleiben, die Weltmarktfähigkeit der M+E-Industrie zu erhalten und auszubauen.“ Die deutsche M+E-Industrie sei, abgesehen von der Chemie, die einzige große Industriebranche, die noch über ein einigermaßen intaktes flächendeckendes Tarifsystem verfüge. Der Flächentarif müsse einen verlässlichen Rahmen bieten und dabei weiterhin Spielräume für Flexibilität und Differenzierungen öffnen, so Kannegiesser weiter. Die notwendige Flexibilisierung und Betriebsnähe seien im Flächentarifvertrag durch eine Kombination aus verbindlichen Tarifstandards für alle und betrieblichen Abweichungsmöglichkeiten herzustellen. Der Flächentarifvertrag habe sich seit den neunziger Jahren stark gewandelt, Flexibilität sei ein gutes Stück Realität geworden. Es gebe flexible Arbeitszeitregelungen mit einer weltweit wohl einmaligen Bandbreite und Erfahrung an betrieblichen Modellen, einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung, das einheitliche Entgelt-Rahmen-Abkommen mit einer neuen Wertigkeitsskala der Arbeitsplätze, die Vereinbarung zur Standortsicherung von Pforzheim 2004. Gerade mit dieser Vereinbarung habe die Tarifpolitik die Anstrengungen der Unternehmen zur Neustrukturierung und Anpassung an den internationalen Wettbewerb flankiert und unterstützt. Und schließlich die betriebliche Entgeltdifferenzierung und die Einführung einer von der Branchen-Konjunktur abhängigen Komponente.

Kannegiesser betonte den deutschlandweiten Beschäftigungseffekt: „Unsere Unternehmen setzen die gute Konjunktur in mehr Beschäftigung um und schaffen zusätzliche Arbeitsplätze – rund 80.000 seit Beginn dieses Jahres in unseren Stammbelegschaften.“ Die M+E-Industrie beschäftige wieder mehr als 3,5 Millionen Menschen – das sei mehr als vor 10 Jahren. Dazu kämen noch einmal rund 150.000 Zeitarbeitskräfte, knapp 5 Prozent der Stammbelegschaft. Die Internationalisierung habe alle voll erfasst, das Tempo beschleunige sich. Inzwischen betreibe die M+E-Industrie rund 4.300 Betriebe mit 1,3 Millionen Beschäftigten außerhalb Deutschlands, mit einem Umsatz von fast 560 Milliarden Euro. Die deutschen M+E-Unternehmen profitierten auf den internationalen Märkten von ihrer breiten und herausragenden Produktpalette. Die M+E-Unternehmen könnten heute die Früchte ernten, weil sie in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts ihre Hausaufgaben erledigt und durch betriebliche Umstrukturierungen ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert hätten.



60 Jahre HESSENMETALL –

Ihrem unternehmerischen Erfolg verpflichtet:

gestern, heute und morgen


Vorstandsvorsitzender Prof. Dieter Weidemann

Auszüge aus der Rede zur 60-Jahr-Feier am 29. November 2007

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
(…) schon 1890 wurde der „Verband der Metallindustriellen für Frankfurt am Main und Umgebung“ gegründet, um der wachsenden Macht der Gewerkschaft etwas entgegenzusetzen. Er trat noch im selben Jahr dem „Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller“ bei. Deshalb ist unsere heutige 60-Jahr-Feier eine Wiedergeburtsfeier.

1918 – also mit der Geburt der Demokratie in Deutschland – wurde das „Stinnes-Legien-Abkommen“ zwischen den Unternehmerverbänden und den Gewerkschaften abgeschlossen, das nach dem Industriellen Hugo Stinnes und dem Gewerkschaftsführer Karl Legien genannt wurde. Es sah vor, dass die Arbeitsbedingungen für alle Arbeitnehmer durch „Kollektivvereinbarungen“ mit den Berufsvereinigungen der Arbeitnehmer getroffen werden sollten. Das Abkommen stellte erstmals die Tarifpolitik in die Verantwortung der Sozialparteien. Durch seine Übernahme in die Weimarer Verfassung entstand die Tarifautonomie. Durch die Verankerung im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wurde sie – bei der Wiedergeburt der Demokratie  – erneuert.

Fazit: Tarifautonomie und Demokratie sind auf engste Weise miteinander verbunden und stützen sich wechselseitig. Deshalb ist die Tarifautonomie und ihre Umsetzung im Flächentarifvertrag ein hohes Gut, das wir als Unternehmer, die den Arbeitgeberverband tragen, auch heute verteidigen müssen. Denn die Gefährdungen – die von der Zersplitterung in berufsständische und Spartengewerkschaften einerseits, von Aushöhlung der Tarifautonomie durch Mindestlöhne andererseits ausgehen – sind heute nicht geringer als früher.