M+E Mitte: Arbeitswissenschaftliches Forum „Zur Leistung (ver-)führen“
Mehr Fairness bei Leistungsbeurteilung, bessere Motivation und
gerechtere Leistungszulagen
Mainz/Frankfurt/Koblenz/Saarbrücken. Rund 300 Arbeitgeber der
Mittelgruppe haben auf dem Arbeitswissenschaftlichen Forum über die
modernen tarifpolitischen Instrumente von Leistungsbeurteilung bis
Leistungsentgelt diskutiert. Dieser Erfahrungsaustausch ist schon gute
Tradition der Unternehmer für die über 400.000 Beschäftigten der
Metall- und Elektro-Industrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. „Eine faire Leistungsbeurteilung wird auch von den
Mitarbeitern nach anfänglichen Widerständen als Chance gesehen, dass
ihre persönliche Leistung gerechter bewertet und die Leistungszulage
angemessener zugeteilt wird“, waren sich die Geschäftsführer und
Personalchefs einig. Mit der Leistungsbeurteilung, wie sie das
EntgeltRahmenAbkommen (ERA) vorsieht, organisierten sie Führung noch
erfolgreicher. In Summe sehen sie die Leistungsfähigkeit ihres
Unternehmens gesteigert, auch wenn sich dies eher qualitativ in der
Grundeinstellung als quantitativ im Zahlenwerk niederschlage.

„Wir haben einfach
ein besseres Gefühl, seit wir 2006 mit einer systematischen
Leistungsbeurteilung mehr Fairness bei der Leistungszulage in den
Betrieb gebracht haben“, sagte
Bernhard Cloos, Geschäftsführer
Doering GmbH.
Die Eisengießerei mit 150 Beschäftigten im hessischen
Sinn produziert handgeformten Guss für formgebende Werkzeuge z. B. der
Autoindustrie, für den Maschinenbau und den Bergbau. Natürlich habe es
bei der Einführung Ängste und Widerstände gegeben, die es zu überwinden
galt. Aber wenn man anhand des ERA-Beurteilungsbogens gezielt Effizienz
und Qualität der Arbeit, Flexibilität und verantwortliches Handeln sowie
Kooperation gemeinsam mit dem Mitarbeiter herausarbeite, dann habe man
wenigstens eine gemeinsame Diskussionsgrundlage und einen Maßstab der
neben der gerechteren Leistungszulage für den Mitarbeiter auch die
Möglichkeit eröffnet, sich auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse
weiterzuentwickeln.
„Über die Ergebnisse der ersten
systematischen Leistungsbeurteilung zum Jahreswechsel haben nicht nur
die Mitarbeiter, sondern auch die Führungskräfte gestaunt. Aber in einem
guten Sinne, brachte doch die Methodik ein umfassenderes Bild vom
Leistungsprofil zu Tage“, sagte
Uwe Szam, Personalleiter der ESAB
CUTTING SYSTEMS GmbH.

Das Unternehmen hat
seinen Sitz im hessischen Karben und Standorte in China und USA. Es
entwickelt und produzierte mit rd. 210 Mitarbeitern in Karben thermische
Schneideanlagen für verschiedenste Blechformate. ESAB hat inzwischen
eine Betriebsvereinbarung über eine auf das Unternehmen speziell
zugeschnittene Leistungsbewertung, die Führungskräfte wurden intensiv
auf eine gemeinsame Linie geschult. Man sehe jetzt den
Feedback-Gesprächen auf diese erste Runde mit Spannung entgegen.
"Wir
haben bei unseren Schweißtechnikern, die häufig für das Endprodukt
zuständig sind, eine große Bandbreite an Zusatzqualifikationen
festgestellt, deren Eingruppierung wir deshalb sehr zugeschnitten
vornehmen mussten, um Leistung gerecht bewerten zu können“, sagte Dirk
Demmer, Geschäftsführer der SGGT Maschinen- und Anlagenbau GmbH &
Co. KG im saarländischen Ottweiler. Das Unternehmen bietet vielseitige
Lösungen von der Entwicklung über die Konstruktion und Herstellung bis
hin zur Montage und Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen. Es ist
eingebettet in die Heintzmann Gruppe mit führenden Marktpositionen in
den Bereichen Tunnel- und Bergbautechnik, Straßenausstattung und
Sicherheitssysteme zum Objektschutz.

„Eine angemessene
Leistungszulage ist eine echte "Win-Win-Situation" für Beschäftigte und
Unternehmen gleichermaßen. Das Entgeltrahmenabkommen (ERA) rückt sie
deshalb stärker in den Mittelpunkt der Tarifvergütung und stellt dafür
moderne Instrumente der Personalpolitik“, betonte Dr. Helmut Rau,
Geschäftsführer Tarifwesen von HESSENMETALL. Die Leistungsbeurteilung
sei ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsprozesse. Die
richtige betriebliche Umsetzung dieser modernen Tarifstrukturen führe zu
positivem Leistungsverhalten und genaueren Leistungszulagen der
Mitarbeiter, aber auch zu gesteigerter Leistungsfähigkeit des
Unternehmens.
„Der richtige Zuschnitt und die respektvolle
Kommunikation sind die Schlüssel zum Erfolg. In der praktischen
Umsetzung spielen die besonderen betrieblichen Merkmale eine wesentliche
Rolle, passgenaue Ansätze zu finden. Auf die jeweilige Arbeitssituation
bezogene Beurteilungskriterien sind die Voraussetzung für gerechte
Differenzierung der individuellen Leistung.
Deren Kommunikation wird
dann nachvollziehbar, wenn sie zuerst das Geleistete respektiert und
dann noch eine Perspektive gibt, den Abstand zum Ziel zu verringern“,

erläuterte
Nikolaus
Schade, Leiter Arbeitswissenschaft HESSENMETALL und verwies auf die
präzisen Beratungsangebote der vier Arbeitgeberverbände.
(v.
links nach rechts: N. Schade, HESSENMETALL, W. Kohler, ME Saar, St.
Kuntz, Vorstandsvorsitzender 1.FC Kaiserslautern, H. Brüning, VEM, R.
Mertel, PfalzMetall)