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Über Facebook zum Traumjob

Ausbildung: Opel nutzt Social Media im Ausbildungsmarketing

07.10.2011
Azubi der Adam Opel AG Das Internet gewinnt für die Personalabteilungen in der M+E-Industrie stetig an Bedeutung. Die Adam Opel AG nutzt jetzt die Social-Media-Plattform Facebook, um junge Leute aktiv für die Ausbildung im Unternehmen zu gewinnen. Mit Erfolg: Seit Einführung der Seite hat sich die Zahl der Interessenten deutlich erhöht, und auch immer mehr konkrete Bewerbungen werden über diesen Weg abgegeben.

Rüsselsheim. Für Andreas, Markus und Sebastian tat sich eine völlig neue Welt auf. „Wer bisher dachte, ein halber Millimeter sei vernachlässigbar“, berichteten die drei über ihre ersten Ausbildungserfahrungen, „wurde am Schraubstock mit der Feile schnell eines Besseren belehrt. Feilen ist Präzisionsarbeit! Es dauerte lange, doch viele Späne / Stunden / Tage später war der U-Stahl besiegt.“ Der erfahrene Kollege Dennis wusste zu motivieren: „Auch wenn das Feilen in den ersten Wochen etwas mühsam ist, umso mehr werdet Ihr es zu schätzen wissen, in ein paar Wochen an Dreh- und Fräsmaschinen arbeiten zu dürfen“ – eine Aussicht, der Kay D. ausdrücklich beipflichtet.

Zu finden sind diese Einblicke in die Ausbildungswelt auf der Facebook-Seite „Ausbildung@Opel“. Knapp zweieinhalb Jahre ist es her, seit man sich im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim Gedanken über neue Wege in der Kommunikation mit und zwischen Auszubildenden sowie Interessenten machte. Hans-Dieter Weiland, der Leiter der zentralen Berufsausbildung, erklärt den Weg, den Opel gegangen ist: „Beim Ausbildungsmarketing wollten wir weg vom Papier und in Social Media hinein, speziell in Facebook, um damit die jungen Menschen zeitgerecht ansprechen zu können.“ Der Anstoß dazu kam letztlich aus einer Befragung der Auszubildenden, die unter anderem Facebook als Plattform vorschlugen.

Am Anfang mussten bei den Verantwortlichen im Werk jedoch erst einmal Widerstände überwunden werden. Damit die Berichte aus der Ausbildungswelt auch authentisch sind, müssen die Beiträge unzensiert gepostet werden können – sonst, das war den Beteiligten klar, funktioniert Social Media nicht. „Da mussten wir an einigen Stellen im Unternehmen erst einmal Überzeugungsarbeit leisten und entsprechende Regeln aufstellen“, erinnert sich Weiland. So wurde beispielsweise festgelegt, was passiert, wenn mal ein „unerwünschter“ Beitrag auftaucht, der auf der Azubi-Seite nichts zu suchen hat. In solchen Fällen, so die Regel, soll der verantwortliche Projekt-leiter antworten und das jeweils mit dem Facebook-Team der Auszubildenden abstimmen. Dabei sollen kritische Kommentare nicht unterdrückt, sondern auf sie eingegangen werden.

Die anfänglichen Befürchtungen haben sich nicht bestätigt, im Gegenteil: Missbrauch fand so gut wie nicht statt, die Seite konnte ihren Bekanntheitsgrad kontinuierlich steigern, und mittlerweile sind bereits über 1.000 feste „Fans“ registriert, die gesamten Zugriffe lagen im vergangenen Jahr bei über 60.000. Das Themenspektrum ist überaus breit angelegt. Das Redaktions-Team, das ausschließlich aus Auszubildenden besteht, erstellt regelmäßig neue Beiträge, in denen über aktuelle Ausbildungsinhalte, Themen rund um die Automobilbranche oder allgemeine Geschehnisse wie etwa Sportereignisse berichtet wird. So beispielsweise über Timo Schott, Opel-Auszubildender im ersten Lehrjahr als Werkzeugmechaniker, der Europameister bei den Feldbogenschützen wurde. Wenn möglich, werden dazu auch Fotos oder Videos eingestellt. Darüber hinaus beantworten die Azubis natürlich auch Fragen von Besuchern der Seite.

Als überaus erfolgreich beschreibt Weiland das zweite Ziel des Facebook-Auftritts, nämlich junge Leute für Ausbildung und Studium bei Opel zu begeistern. Seit das Projekt „Opel Ausbildung goes Facebook“ ins Leben gerufen wurde, habe sich die Bewerberzahl für die Ausbildung deutlich erhöht. Bis zu 2.500 Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet gäbe es mittlerweile für die jährlich 151 zu besetzenden Ausbildungsplätze. Für das gerade begonnene Ausbildungsjahr hatten sich rund 20 Prozent der Interessierten direkt über Facebook beworben.

Dieses sogenannte Online-Recruiting erfolgt über eine simple Verlinkung zu einem Online-Formular, in dem beim Erstkontakt nur wenige Felder ausgefüllt werden müssen. Der Vorteil, so Weiland: „Bewerbungsschreiben auf Papier entfallen für die Interessenten, womit häufig schon eine erste Hemmschwelle überwunden ist.“ Inzwischen sei es auch üblich, dass junge Leute direkt über Facebook Fragen zur Bewerbung stellen, was die Scheu Jugendlicher ebenfalls erheblich mindere. Innerhalb von 24 Stunden erhalten die Bewerber dann eine Antwort mit Erklärungen über das weitere Bewerbungsverfahren. Der zweite Schritt ist ein 30-minütiger Test, der ebenfalls online ausgefüllt werden muss und den Verantwortlichen bei Opel einen direkten Vergleich der Bewerber ermöglicht. Die Besten werden dann zu einem erweiterten Test im Hause Opel und zum persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen. Aktuell befindet sich auf der Facebook-Seite bereits der Bewerbungslink für die kommende Einstellungsrunde zum 1. September 2012.

Bei der Rekrutierung des beruflichen Nachwuchses beschränkt sich Opel natürlich nicht nur auf das In-ternet. Auch wenn man, wie Ausbildungsleiter Weiland betont, „fast nichts Bedrucktes mehr benutzt“, bemüht sich das Unternehmen in vielfacher Weise um die jungen Menschen. Ein ganz wichtiger Punkt ist dabei der direkte Kontakt mit Schülerinnen und Schülern. In einem Umkreis von rund 100 Kilome-tern um Rüsselsheim stehen daher regelmäßig Schulbesuche auf dem Programm. „Bei der Größenordnung“, so Weiland, „besuchen wir ein bis zwei Schulen pro Woche – mit dabei sind auch immer Auszubildende von uns.“

Diese Anstrengungen sind nötig. Denn trotz des guten Rufes, den Opel als Ausbildungsbetrieb in der Umgebung hat, ist die Zahl geeigneter Bewerber begrenzt. „Es kann durchaus vorkommen“, sagt Weiland, „dass wir auch bei 2.000 Bewerbern die 151 Ausbildungsplätze nur mit Mühe besetzen kön-nen. Gute Bewerber haben oft drei bis vier Angebote in der Tasche, und da müssen wir uns schon anstrengen, damit sie sich für uns entscheiden.“ Wie viele andere Unternehmen in der Metall- und Elektro-Industrie beklagen auch die Verantwortlichen bei Opel, dass die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer in der Schule viel zu kurz kämen. Erschwerend komme noch der demografischen Wandel hinzu, der den Wettbewerb um potenzielle Auszubildende in den nächsten Jahren weiter verschärfen werde.

Was die Anforderungen an künftige Bewerber betrifft, dürften die auch eher höher werden. Manche Berufe wie beispielsweise der Mechatroniker werden sich vor dem Hintergrund der Elektromobilität verändern. Bei Opel, wo man im November mit dem Ampera das erste Elektro-Auto auf den Markt bringt, schlägt sich das bereits in den Ausbildungsplänen nieder. So müssen bestimmte Qualifikationen für sogenannte Hochvolt-Kraftfahrzeuge und Batterie- und Elektroantriebe erworben werden. Das gilt allerdings nicht nur für die Auszubildenden, sondern im Rahmen von Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme auch für gestandene Facharbeiter.

Aber auch hier kann Facebook Unterstützung bieten. So veröffentlichte Matthias kürzlich vor dem Hintergrund der Elektromobilität einen Fachbeitrag über die Entwicklung eines neuen Prüfstandes für Generatoren. Kommentar von Dennis: „Wir bedanken uns recht herzlich bei Matthias für den interessanten Beitrag und sind schon gespannt, welche Aufgaben im kommenden Jahr auf uns warten, wenn auch wir endlich aus der Ausbildungswerkstatt heraus in die weite Welt des Opel-Werks entsandt werden!“ 

Ansprechpartnerin:
Adam Opel AG
Doris Klose, Unternehmenskommunikation
Tel: 06142 – 7 72914
doris.klose@de.opel.com


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