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Südhessische M+E-Industrie auf Wachstumskurs

Herbstumfrage des Verbandes der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen e.V., Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen

26.11.2010
  • Wolfang Drechsler, Gottlieb Hupfer, Holger Kimmes, Dr. Albrecht HallbauerPositive Bestandsaufnahme: Wirtschaftliche Lage verbessert, Aufträge gestiegen, Prognose für die nächsten sechs Monate positiv
  • Anziehende Fachkräftenachfrage: CNC-Fachkräfte, Techniker, Meister und Ingenieure gesucht
  • Steigende Beschäftigtenzahl:Betriebe planen weitere Einstellungen
  • Erfolgreiche Beschäftigungssicherung:Innovatives Krisenmanagement durch Kurzarbeit, flexible Arbeitszeiten und Öffnungsklauseln
  • Flexible Entgelterhöhung: M+E-Tarifvertrag ermöglicht Vorziehen und Verschieben um bis zu 2 Monate
Darmstadt. Im Vergleich zum Frühjahr 2010 hat sich die allgemeine Geschäftslage der Metall- und Elektrounternehmen in der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen deutlich verbessert. Das zeigt die Herbstumfrage unter den Mitgliedern des Verbandes der M+E-Unternehmen in Südhessen. „Die südhessische M+E-Industrie gewinnt an Kraft und Dynamik und ist ein Zugpferd der erfreulichen Wirtschaftsbelebung in der Region geworden,“ sagt Dr. Albrecht Hallbauer, Vorsitzender der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen von HESSENMETALL. Das Vorkrisenniveau sei aber noch nicht erreicht, etwa in der Produktion gilt es noch fast 20% der Kapazitäten aufzuholen.

„Aufträge, Umsätze und Beschäftigtenzahlen der befragten Unternehmen sind aufgrund des starken Exports gestiegen. Die meisten Mitglieder erwarten für das nächste Halbjahr, dass sich dieser Trend fortsetzt,“ ergänzt Hallbauer, der die Ergebnisse zusammen mit Rechtsanwalt Wolfgang Drechsler (Geschäftsführer der Bezirksgruppe) und den Vorstandsmitgliedern Holger Kimmes (Adam Opel GmbH, Rüsselsheim) und Gottlieb Hupfer (EnviroChemie GmbH, Roßdorf) am 26. November auf der ersten Pressekonferenz im Haus der Wirtschaft Südhessen in Darmstadt vorstellte.

Der Aufschwung hat aber noch nicht die gesamte Metall- und Elektroindustrie mit ihren 12 Branchen gleichermaßen erreicht. „Nachzügler sind unter anderem die Investitionsgüterindustrie und der Anlagenbau, die noch nicht im Volumen der Vorkrise nachgefragt werden,“ berichtet Gottlieb Hupfer.

Erfreulich für Drechsler ist das erfolgreiche gemeinsame Krisenmanagement von Wirtschaft, Sozialpartnern und der Politik und dass die Kurzarbeit weiter zurückgeht. Damit konnten viele Arbeitsplätze durch die Krise gerettet werden. „Die Verantwortungspartner­schaft von Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat das deutsche Job-Wunder ermöglicht.“

Wirkungsvoll für die Beschäftigungssicherung waren moderate Tarifabschlüsse, tarifliche Regelungen zur Arbeitszeitflexibilisierung, zu Arbeitszeitkonten und Öffnungsklauseln beim Entgelt.

„Die M+E-Industrie hat bei der vergangenen Tarifrunde bewusst eine datumsflexible Regelung gewählt, die den Betriebspartnern ermöglicht, die Entgelterhöhung von 2,7% ab dem 1. April 2011 um zwei Monate nach vorne oder hinten zu verschieben. Damit wird die Entscheidung bewusst in die Unternehmen gegeben, die praxisnah, fair und verantwortungsbewusst je nach wirtschaftlicher Lage ihres Unternehmens entscheiden“, so Drechsler.

Jetzt gelte es, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wie der Aufschwung gestützt werden kann, denn die Rohstoffpreise steigen und staatliche Konjunkturprogramme laufen aus. Wie in Deutschland müsse bei vielen Handelspartnern das große Staatsdefizit abgebaut werden. Außerdem stellen steigende Lohnnebenkosten die Betriebe vor neue Herausforderungen und mindern ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Von zentraler Bedeutung ist die Fachkräftefrage. „Durch die demographische Entwicklung müssen wir einen immer größer werdenden Engpass überwinden. Im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte sind attraktive Rahmenbedingungen das Gebot der Stunde,“ sagt Holger Kimmes. Ansatzpunkte der Bundesregierung, wie die Erhöhung von Studienplätzen, eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Anerkennung auslän­discher Qualifikationen, seien essentiell und müssten zeitnah umgesetzt werden.

„Wenn Fachkräfte wie Facharbeiter, Meister, Techniker und Ingenieure fehlen“, so Kimmes weiter, „dann geht dies auch zu Lasten unserer Wertschöpfung und Innovationskraft. Innovation ist der Schlüssel für Erfolg und Wohlstand von morgen, nicht nur im Bereich der Spitzentechnologie, sondern in allen Lebensbereichen, ganz speziell auch bei der Bewältigung des demographischen Wandels. Die Erhöhung des Rentenalters stellt daher einen wichtigen Baustein dar, um das Sozialsystem zu stabilisieren und das Know-how der älteren Mitarbeiter zu nutzen.“

HESSENMETALL repräsentiert nach Umsatz und Beschäftigung die stärkste Industrie in Hessen und ist der größte Arbeitgeberverband mit über 500 Mitgliedsunternehmen und 130.000 Beschäftigten.

In der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen sind derzeit 122 Firmen mit rund 32.000 Mitarbeitern organisiert.



Weitere Ergebnisse der Herbstumfrage:

Beschäftigtenzahl soll weiter steigen
Die Zahl der Beschäftigten hat in den befragten Unternehmen im Vergleich zum Frühjahr zugenommen. Von anfangs ca. 26.700, stieg die Beschäftigtenzahl auf derzeit ca. 27.300. Diese Zahl soll in den kommenden sechs Monaten auf rund 27.700 Beschäftigte steigen.

Die Hälfte der Unternehmen schätzt Geschäftslage als gut oder sehr gut ein

Deutlich besser stellt sich die allgemeine Geschäftslage dar. 2009 wurde diese zumeist als schlecht (39%) oder befriedigend (37%) beschrieben. Jetzt hingegen schätzen die befragten Unternehmen ihre Geschäftslage schon zu 31% als befriedigend, zu 39% als gut und zu 14% sogar als sehr gut ein. Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwarten für die kommenden sechs Monate eine weitere Verbesserung.        

Jedes dritte Unternehmen hat noch zu geringe Auftragsbestände

Bei der Auftragslage ist noch Aufholbedarf, auch wenn sich die Lage in den vergangenen sechs Monaten verbessert hat. Dennoch sind bei 33% der Unternehmen die Auftragsbestände zu gering. Vergangenes Jahr sagten dies noch 50% der Unternehmen. Eine verhältnismäßig große Auftragslage haben dafür schon 29% der Befragten, das sind 19% mehr als im Vorjahr. Über die Hälfte erwartet jetzt eine Zunahme an Aufträgen für die kommenden sechs Monate.

Umsatzentwicklung stieg 2010 in mehr als der Hälfte der Unternehmen
Die Umsatzentwicklung der befragten Unternehmen ist im Vergleich zum letzten Jahr deutlich gestiegen. Während 2009 nur 35% eine steigende Umsatzentwicklung bei sich feststellten, 39% hingegen rückläufige Umsatzzahlen, sind die Umsätze in diesem Jahr bei 51% der Unternehmen gestiegen. Nur 14% melden einen Umsatzrückgang. Auch die Erwartung für das kommende Halbjahr wird derzeit deutlich positiver bewertet. 49% der Betriebe erwarten für die nächsten sechs Monate einen weiteren Umsatzzuwachs. 2009 sagten dies nur 29%.

Jedes dritte Unternehmen verzeichnet steigende Erträge
Auch bei den Erträgen zeichnet sich ein Aufwärtstrend ab. 2009 fielen die Erträge in 45% der Unternehmen. Nur bei 16% stiegen sie. Diese Werte sind 2010 annähernd umgekehrt. In 37% der Unternehmen nahm die Ertragsentwicklung zu, nur noch 16% melden sinkende Erträge. Ebenso wird die Erwartung für das nächste Halbjahr heute optimistischer eingeschätzt als 2009.

Investitionsvolumen steigt bei einem Drittel der Unternehmen
Diese positive Entwicklung zieht ein steigendes Investitionsvolumen nach sich. 2009 stieg die Investitionsentwicklung in nur 4% der befragten Unternehmen, in 59% blieb sie gleich, bei 37% sank sie. Dem gegenüber sind in diesem Jahr die Investitionen in 37% der befragten Unternehmen gestiegen, nur noch 4% melden sinkende Investitionsbudgets. Zuversichtlich ist auch die Prognose für die kommenden sechs Monate: 37% (gegenüber 8% im Vorjahr) der Unternehmen gehen von weiter steigenden Investitionsmengen aus.

Steigende Energiekosten bereiten Sorge
Mit Sorge sehen die M+E-Unternehmen die steigenden Energiekosten. 2/3 der befragten Firmen kritisieren die hohen Energiepreise. Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz wurden besonders bei der Prozess- und Fertigungsautomation sowie Industriebeleuchtung umgesetzt. „Die M+E-Industrie braucht als energie­intensiver Wirtschaftszweig eine verlässliche und bezahlbare Energieversor­gung. Ökosteuer, Energiepreisvergütung für Strom aus erneuerbaren Energien sind kosten­relevante Aufschläge, mit denen Wettbewerber in anderen Ländern nicht konfrontiert sind,“ meint Hallbauer.

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