An der Umfrage, die jedes Jahr im Oktober durchgeführt wird, hatte sich knapp die Hälfte der 137 nordhessischen Mitgliedsunternehmen des Metall- und Elektro-Verbandes beteiligt. In diesen Betrieben seien 88 Prozent der Gesamtbeschäftigtenzahl von zirka 22.000 angestellt. Die Umfrage sei somit repräsentativ und die Ergebnisse deckten sind mit den Ergebnissen in den anderen Teilen Hessens, so Rahier.
Der
zweite Teil der Herbstumfrage beschäftigte sich in diesem Jahr mit dem
Fachkräftebedarf in den Unternehmen. Hierzu nahm
Axel Freitag, 2. stellvertretender Vorsitzender des Verbandes, Stellung: „Die Situation ist insgesamt noch recht stabil, doch bei Fachkräften und Akademikern gibt es erste Engpässe. Dieser Trend wird sich weiter verschärfen.
Auf dem Ausbildungsmarkt hingegen ist den Unternehmen die planmäßige Besetzung freier Ausbildungsplätze noch weitgehend gelungen. Auch hier wird es aber zukünftig enger werden. Das Gebot der Stunde muss deswegen heißen, junge Menschen, die auf Grund fehlender Voraussetzungen nicht ausbildungsfähig sind, zu qualifizieren und sie weiterhin zu betreuen.“
Die Forderung der IG Metall nach einer unbefristeten Übernahme nach der Ausbildung gehe daher in die völlig falsche Richtung und käme einer Verbeamtung gleich, so Freitag. Schon jetzt gebe es die tarifvertraglich geregelte Übernahme von einem Jahr. Dieser Zeitraum habe sich bewährt. Durchschnittlich drei Viertel der Auszubildenden würden nach Ablauf dieses Jahres übernommen. „Übernahme sei die Regel, nicht die Ausnahme“, so Freitag.
Eine Garantie für eine unbefristete Übernahme würde jeden Leistungsanreiz für die Aus-zubildenden zunichte machen und schade jenen Unternehmen, die bisher über Bedarf ausgebildet haben. Die Folge wäre eine Reduktion und somit Vernichtung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen.
Klemens Diezemann, Geschäftsführer des Verbandes, untermauert das Statement des Vorstands mit harten Zahlen: „Die aktuelle Geschäftslage wurde von 98 Prozent der Befragten mit „sehr gut“, „gut“ bzw. „befriedigend“ eingeschätzt. Das ist ein hervorragender Wert, der sich im Vergleich zum Vorjahr (93 Prozent) sogar noch gesteigert hat.
Überraschend günstig ist die Erwartungshaltung für das
kommende Halbjahr. Insgesamt 82 Prozent bleiben weiterhin zuversichtlich. Obwohl hierin natürlich eine gewisse Abschwächung zu erkennen ist, bleiben die Zahlen auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Hingegen sind es weniger als 20 Prozent (Vorjahr 18 Prozent), die für das nächste Halbjahr eine „schlechtere“ Geschäftslage prognostizieren.
Die harten
Konjunkturindikatoren sprechen eine deutlichere Sprache, als die Geschäftslage es zum Ausdruck bringt. So ist das Niveau der Auftragsbestände im Herbst 2011 immer noch bei 94 Prozent der Befragten „verhältnismäßig groß“ bzw. „ausreichend“.
Im kommenden Halbjahr ändern sich die Vorzeichen: bei 31 Prozent der Unternehmen werden die Auftragsbestände „eher abnehmen“. 58 Prozent gehen von „unveränderten“ Beständen aus, lediglich elf Prozent prognostizieren noch „eher zunehmende“ Auftragseingänge.
Der Trend zurückgehender
Auftragsbestände wirkt sich natürlich auch auf die wertmäßigen
Umsätze der Unternehmen aus. Gaben noch 87 Prozent an, dass ihre Umsätze im Vergleich zum Frühjahr „gestiegen“ bzw. „vergleichbar“ sind, so rechnen 18 Prozent mit „eher steigenden“ Umsätzen im kommenden Halbjahr und 57 Prozent mit „gleichbleibenden“ Umsätzen. Ein Viertel der Befragten rechnet hingegen mit „eher fallenden“ Umsätzen.
Stieg das
Ertragsniveau von über einem Viertel der Unternehmer im Vergleich zum Frühjahr (27 Prozent), so wird es im kommenden Halbjahr nur noch bei elf Prozent „steigen“ und bei zwei Drittel bleibt es „gleich“. 23 Prozent erwarten ein „fallendes“ Ertragsniveau im kommenden Halbjahr.
Auch ein Rückgang der Investitionstätigkeit ist feststellbar, was ebenfalls auf eine Abschwächung hindeutet. Sind die
Investitionen im Vergleich zum Frühjahr noch bei knapp 30 Prozent (29 Prozent) „gestiegen“, so werden sie lediglich noch bei gut einem Fünftel zukünftig „steigen“. Im Übrigen bleibt es bei einem „vergleichbaren“ Investitionsniveau. Regelmäßig liegt der Schwerpunkt der Investitionen in den Bereichen Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen. Hier sind auch im Vergleich zum Vorjahr kaum Veränderungen feststellbar.
Es wird mehr im Ausland investiert, und zwar durchschnittlich 10 Prozent. Noch vor einem Jahr lag dieser Wert nur bei drei Prozent.
Investitionen im Ausland finden zu fast 50 Prozent im Euroraum statt. Alle anderen Wirtschaftsräume wie das übrige Europa, Nordamerika, Südamerika und Asien liegen zwischen neun und 17 Prozent.
Der
Exportanteil liegt im Durchschnitt bei ca. 38 Prozent. Das ist deutlich unterhalb des hessischen als auch des Bundesdurchschnitts von weit über 40 bzw. 50 Prozent. Dabei muss berücksichtigt werden, dass in unseren Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie eine große Spannbreite zwischen zehn und 90 Prozent Exportanteil existiert.
Wohin gehen die Exporte? Exportiert wird mit 38 Prozent in den Euroraum. An zweiter Stelle steht Asien mit 22 Prozent und sodann das übrige Europa mit 14 Prozent. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass viele Produkte zwar ins Inland geliefert werden, jedoch in Waren verbaut werden, die dann exportiert werden.
Sind die
wertmäßigen Exporte im Jahre 2010 jeweils im Vergleich zum Frühjahr bei 58 Prozent der Unternehmen „gestiegen“, so war dies im Jahr 2011 nur noch bei 19 Prozent der Firmen der Fall. Für das kommende Halbjahr gehen 16 Prozent von „steigenden“ wertmäßigen Exporten aus. 69 Prozent prognostizieren „gleichbleibende“ Exportzahlen.
Erfreulich war die Entwicklung der
Beschäftigung. So stieg vom Frühjahr 2011 bis in den Herbst die Beschäftigung um 3,6 Prozent. Allerdings setzt sich diese Entwicklung nicht für das kommende Halbjahr fort. Hier wird mit einem Anstieg um 0,7 Prozent zu rechnen sein.
Die Sonderfrage: Fachkräftebedarf und demografischer Wandel
Die
Beschäftigungsentwicklung in den drei Qualifikationsebenen Auszubildende, allgemeine Fachkräfte und Akademiker ist momentan
„stabil“ und wird auch zu mindestens bei den Auszubildenden für die Zukunft so eingeschätzt. Probleme erwarten die Unternehmen bei Fachkräften und Akademikern.
77 Prozent geben bei den Auszubildenden zurzeit eine „stabile“ Situation an. Dies deckt sich auch mit ihren Erwartungen. In der Tat: Bessere Aussichten als ein Azubi in der M+E-Industrie kann kaum ein junger Mensch haben. Denn 75 Prozent werden nach der Ausbildung unbefristet übernommen.
Bei den allgemeinen Fachkräften bezeichnen 65 Prozent ihre Situation als „stabil“ und 30 Prozent haben aktuell einen „steigenden“ Bedarf, der zukünftig sogar von 35 Prozent reklamiert wird.
Im Akademikerbereich ist die Situation „vergleichbar“: 71 Prozent bezeichnen ihre aktuelle Situation als „stabil“ und
25 Prozent melden einen „steigenden“ Bedarf sowohl aktuell als auch zukünftig an.
Die Hälfte der Unternehmen wird vakante Fachkräfte- und Akademikerstellen nicht mehr planmäßig besetzen können.Nur bei den Auszubildenden ist die Situation derzeit noch weitgehend entspannt. Dies sagen 79 Prozent. Über die Hälfte beklagen hingegen steigende Probleme bei der Besetzung der Stellen für allgemeine Fachkräfte und Akademiker. So glauben 54 Prozent, dass sie keine Fachkräfte mehr finden und 50 Prozent befürchten, dass Akademiker-Positionen unbesetzt bleiben müssen.
Nach den wichtigsten
Gründen für die Nichtbesetzung befragt, wird für die Auszubildenden und die allgemeinen Fachkräfte überwiegend die zu
geringe Qualifikation als Grund angegeben. Bei den Akademikern ist es die Bewerbersituation: 71 Prozent sagen, dass der ausschlaggebende Grund die
geringe Bewerberanzahl ist.
Die größte Lücke -mit über 80 Prozent- klafft im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Wesentlich geringere Probleme bereitet den Unternehmen der kaufmänni-sche Bereich.
Die
Auswirkungen dieses Mangels an qualifizierten Nachwuchskräften sind für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens, bezogen auf die allgemeinen Fachkräfte und Akademiker, sehr belastend. Nicht so dramatisch wird die Situation bei Auszubildenden angesehen. Hier ist es gut ein Drittel der Unternehmen, das starke Auswirkungen spürt bzw. befürchtet.
Ebenfalls ein Drittel der Befragten gibt an, dass eine bessere Schulbildung und
Berufsvorbereitung die Fachkräftesituation spürbar verbessern könnte. 22 Prozent sagen, dass die
Weiterbildung von Arbeitnehmern zur Verbesserung der Qualifikation diese Situation bereinigen würde. 16 Prozent wünschen sich
qualifizierte Zuwanderung und bessere
Integration von Migranten und 16 Prozent glauben, dass eine bessere
Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Fachkräftesituation verbessert. Lediglich acht Prozent setzen auf die
höhere Erwerbsbeteiligung Älterer. Resümee
Bereits heute gehören für fast ein Fünftel der Unternehmen Nachhilfe und Angebote für lernschwächere Schüler zum Alltag. Um dem zu erwartenden sinkenden Angebot an ausbildungsfähigen jungen Menschen entgegen zu wirken, müssen große Anstrengungen gemacht werden. Denn die Zukunftsaufgaben sind laut unserer Umfrage eindeutig und liegen auf der Hand:
- Förderung Lernschwacher zur Befähigung für eine Berufsausbildung
- Anschließende durchgängige Begleitung im dualen System mit dem Ziel eines qualifizierten Berufsabschlusses
- Stetige Qualifizierung und Weiterbildung leistungsschwacher Mitarbeiter
Fragen bitte an Achim Schnyder,
Pressestelle des Verbandes der Metall- und
Elektro-Unternehmen Hessen, Bezirksgruppe Nordhessen e. V.
Telefon 0561 1091-322, Fax 0561 17636
achim.schnyder@arbeitgeber-nordhessen.de