Gemeinsames sozialpartnerschaftliches Krisenmanagement fortsetzen
Gesamtmetallpräsident Kannegiesser: Erfolgreiches Krisenmanagement fortsetzen - 2010 wird schwierigeres Jahr
19.01.2010
"Natürlich freuen wir uns über jedes noch so kleine Zeichen der Besserung. Doch dürfen wir diese Zeichen nicht fehlinterpretieren: Wenn die gesamte Seilmannschaft am Berg abgestürzt ist und sich mühsam wieder in das untere Basislager hochkämpft, ist sie dem Gipfel nicht viel näher gekommen. Es wird noch lange – mindestens bis 2012 – dauern, bis die M+E-Industrie wieder alte Höhen erklommen hat."
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hat Politik und Gewerkschaften
aufgerufen, das bisherige erfolgreiche gemeinsame Krisenmanagement fortzusetzen.
Der Weg aus dem Tal hinaus werde mindestens bis 2012 dauern. Die Produktion der
Metall- und Elektro-Industrie müsste nach jetzigem Stand um 30 Prozent, der
Auftragseingang um 35 Prozent zulegen, um wieder das Niveau vor der Krise zu
erreichen. „Positive Meldungen bedeuten also kein Plus, sondern nur, dass das
Minus kleiner wird“, sagte Kannegiesser in Berlin. In dieser Lagebeurteilung
seien sich Arbeitgeber und Gewerkschaften einig wie selten zuvor.
Im
Bewusstsein der schwierigen wirtschaftlichen Lage führten Gesamtmetall und IG
Metall derzeit Sondierungsgespräche. Dabei gehe es darum, „ob und wie wir die
Zukunftsfähigkeit der Betriebe sichern und möglichst viele Arbeitsplätze durch
die Krise retten können“, so Kannegiesser. „Business as usual wird der aktuellen
Ausnahmesituation nicht gerecht.“
Bisher sei es gelungen, massive Auswirkungen der Krise auf die
Beschäftigtenzahlen der Metall- und Elektro-Industrie zu vermeiden: „Wir wollen
eingespielte Teams zusammenhalten und verhindern, dass wertvolles Know-how
verloren geht“, erklärte Kannegiesser. Dank flexibler Flächentarifverträge, der
konstruktiven und pragmatischen Zusammenarbeit der Tarifparteien sowie der
politischen Krisenbekämpfung durch Erleichterungen bei der Kurzarbeit konnten
die Unternehmen nach Berechnungen von Gesamtmetall rund 765.000 Beschäftigte
halten, für die es im vergangenen Jahr faktisch keine Aufträge gab.
Der Preis für die dramatische Unterauslastung der Betriebe sei hoch, betonte
Kannegiesser. Die Beschäftigungssicherung habe „die finanziellen Reserven der
Unternehmen aufgezehrt, das Eigenkapital abgeschmolzen, die Liquidität
verknappt“. Diese Strategie könne deshalb nicht unbegrenzt fortgesetzt werden.
Vor diesem Hintergrund appellierte der Gesamtmetall-Präsident an den
Gesetzgeber, das Kurzarbeitergeld während der gesamten Bezugsdauer, also auch
über 2010 hinaus, von Sozialversicherungsbeiträgen zu befreien. Sonst werde das
Instrument für viele Betriebe zu teuer.
Zudem lobte Kannegiesser den Vorschlag der IG Metall, als zeitlich befristete
Alternative zum gesetzlichen Kurzarbeitergeld den Tarifvertrag
Beschäftigungssicherung für die Unternehmen in der Krise besser nutzbar zu
machen. Bisher sieht dieser nur eine proportionale Senkung von Arbeitszeit und
Einkommen um rund 15 Prozent vor; die Beschäftigten erhalten im Gegenzug eine
Job-Garantie. Den von der Gewerkschaft geforderten Teillohnausgleich, der bei
weitergehenden Arbeitszeitverkürzungen die Einbußen der Arbeitnehmer mildern
soll, könnten viele Unternehmen nicht finanzieren, warnte Kannegiesser: „Man
sichert Arbeitsplätze nicht dadurch, dass man sie teurer macht“. Grundsätzlich
denkbar sei aber, mit der Bundesagentur für Arbeit einen dritten Finanzier
hinzuzuziehen. Die Nürnberger Behörde werde dadurch im Saldo entlastet, da das
tarifliche Kurzarbeitergeld günstiger sei als das gesetzliche, erläuterte der
Gesamtmetall-Präsident.
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