An der Umfrage, die jedes Jahr im Herbst durchgeführt wird, haben sich über 60% der osthessischen Mitgliedsunternehmen des Metall- und Elektro-Verbandes beteiligt. In diesen Betrieben knapp 80 Prozent der Gesamtbeschäftigtenzahl von zirka 15.000 angestellt. Die Umfrage sei somit repräsentativ und die Ergebnisse deckten sind mit den Ergebnissen in den anderen Teilen Hessens, so Huberti.
Der
zweite Teil der Herbstumfrage beschäftigte sich in diesem Jahr mit dem
Fachkräftebedarf in den Unternehmen. Hierzu ergänzte Huberti: „Die Situation ist insgesamt noch recht stabil, doch bei Fachkräften und Akademikern gibt es erste Engpässe. Dieser Trend wird sich weiter verschärfen.
Auf dem Ausbildungsmarkt hingegen ist den Unternehmen die planmäßige Besetzung freier Ausbildungsplätze noch weitgehend gelungen. Auch hier wird es aber zukünftig enger werden. Das Gebot der Stunde muss deswegen heißen, junge Menschen, die auf Grund fehlender Voraussetzungen nicht ausbildungsfähig sind, zu qualifizieren und sie weiterhin zu betreuen.“
Die Forderung der IG Metall nach einer unbefristeten Übernahme nach der Ausbildung gehe daher in die völlig falsche Richtung und käme einer
Verbeamtung gleich“, so Huberti. Schon jetzt gebe es die tarifvertraglich geregelte Übernahme von einem Jahr. Dieser Zeitraum habe sich bewährt. Durchschnittlich drei Viertel der Auszubildenden würden nach Ablauf dieses Jahres übernommen. „Übernahme sei die Regel, nicht die Ausnahme“, so Huberti.
Eine Garantie für eine unbefristete Übernahme würde jeden Leistungsanreiz für die Auszubildenden zunichte machen und schade jenen Unternehmen, die bisher über Bedarf ausgebildet haben. Die Folge wäre eine Reduktion und somit Vernichtung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen.
Hans Joachim Jungbluth, Geschäftsführer des Verbandes untermauert das Statement von Huberti mit harten Zahlen: „Mit einem Anteil von 75% kann heute wieder ein Großteil der Betriebe von einer befriedigenden, guten bis sehr guten
Geschäftslage sprechen. Jedoch zeigt der Blick zurück auf die vergangen sechs Monate, dass mit 31 Prozent bereits fast wieder jeder 3. von einer Verschlechterung spricht. Für die kommenden Monate erwarten rund ein Drittel der Unternehmen eine (erhebliche) Verschlechterung ihrer allgemeinen Geschäftslage“.
„Auch die
Auftragslage präsentiert sich im Moment mit sehr guten Zahlen. 75% bezeichnen ihren Auftragsbestand als ausreichend oder sogar verhältnismäßig groß. Jedoch befürchtet ein Drittel der Befragten für die kommenden sechs Monate abnehmende Bestellungen.“
Jungbluth ergänzte: „Der Vergleich zwischen den aktuellen
Umsatzzahlen und denen aus dem Frühjahr fällt positiv aus: 37 Prozent der Betriebe konnten steigende Umsätze vermelden. Dazu kommen noch einmal 38 Prozent mit einer stabilen Umsatzentwicklung. Aber auch hier macht sich eine Eintrübung bemerkbar. Etwa 42% gehen von gleichbleibenden Umsätzen aus. Allerdings stehen den 29 % mit eher steigenden auch 29% mit eher fallenden Umsätzen gegenüber.
Wir sind und bleiben eine
Exportbranche. Fast 90 Prozent der Betriebe exportieren ins Ausland“, so Jungbluth. „Der Exportanteil in diesen Unternehmen erreichte 2011 im Durchschnitt 41,4 Prozent. Grundsätzlich gilt auch hier: Stabilisierung auf gutem Niveau: 75 Prozent der Befragten meldeten aktuell vergleichbare Exportzahlen.
„Betriebe stellen weiter ein – Jobzuwachs vor allem bei Stammkräften – Flexible Beschäftigungsformen hilfreich“
„Erfreulich für den Arbeitsmarkt ist die Tatsache, dass sich das abschwächende Wachstum dort nicht nieder zu schlagen scheint. Auch in den vergangen Monaten ist bei 31 % der osthessischen M+E-Betriebe die Zahl der Beschäftigten gestiegen. Der Aufschwung findet hauptsächlich in der Stammbelegschaft statt und auch für das kommende Halbjahr erwarten die Betriebe in gleicher Prozenthöhe eine Steigerung der Beschäftigtenzahl, nur bei 19 % sollen es weniger werden. Für die weitere Entwicklung ist wichtig, dass die feststellbaren Unsicherheiten nicht durch gewerkschaftliche Forderungen in der Tarifrunde 2012 befeuert werden. Die Forderung nach Reglementierung der Zeitarbeit z.B. beschneidet die Flexibilität der Betriebe und schadet daher den Unternehmen, “ so Huberti. Und weiter: „Durch den Aufwuchs der vergangenen Monate bei den Beschäftigtenzahlen in Offenbach-Hanau wird deutlich, dass die Aussage der Gewerkschaften, Stammbelegschaften würden zugunsten von Zeitarbeit abgebaut, unzutreffend ist.“
Jungbluth fügte hinzu: „Die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung liegen überwiegend im gewerblich-technischen Bereich. Hier wirbt unser Verband mit gezielten Aktionen für die sogenannten MINT-Berufe. Ein Beispiel: aktuell startet das neue „Azubi-Mentoren“-Projekt, bei dem junge Auszubildende Schülerinnen und Schülern ihre Berufe aus dem naturwissenschaftlich-technischen MINT-Bereich näherbringen sollen. Die Betriebe befürchten für sich selbst in Zukunft schwerwiegende Auswirkungen durch den Fachkräftemangel.
Die Sonderfrage: Fachkräftebedarf und demografischer WandelDie
Beschäftigungsentwicklung in den drei Qualifikationsebenen Auszubildende, allgemeine Fachkräfte und Akademiker ist momentan
„stabil“ und wird auch zu mindestens bei den Auszubildenden für die Zukunft so eingeschätzt. Probleme erwarten die Unternehmen bei Fachkräften und Akademikern.
73 Prozent geben bei den Auszubildenden zurzeit eine „stabile“ Situation an. Dies deckt sich auch mit ihren Erwartungen. In der Tat: Bessere Aussichten als ein Azubi in der M+E-Industrie kann kaum ein junger Mensch haben. Denn 75 Prozent werden nach der Ausbildung unbefristet übernommen.
Bei den allgemeinen Fachkräften bezeichnen 71 Prozent ihre Situation als „stabil“ und
47 Prozent haben aktuell einen „steigenden“ Bedarf, der zukünftig sogar von 35 Prozent reklamiert wird.
Im Akademikerbereich ist die Situation „vergleichbar“: 50 Prozent bezeichnen ihre aktuelle Situation als „stabil“ und 20 Prozent melden einen „steigenden“ Bedarf sowohl aktuell als auch zukünftig an. ist.
Die Hälfte der Unternehmen wird vakante Fachkräfte- und Akademikerstellen nicht mehr planmäßig besetzen können.Nur bei den Auszubildenden ist die Situation derzeit noch weitgehend entspannt. Dies sagen 73 Prozent. Über die Hälfte beklagen hingegen steigende Probleme bei der Besetzung der Stellen für allgemeine Fachkräfte und Akademiker. So glauben 53 Prozent, dass sie keine Fachkräfte mehr finden und 80 Prozent befürchten, dass Akademiker-Positionen unbesetzt bleiben müssen.
Nach den wichtigsten
Gründen für die Nichtbesetzung befragt, wird für die Auszubildenden und die allgemeinen Fachkräfte überwiegend die zu
geringe Qualifikation als Grund angegeben. Bei den Akademikern ist der ausschlaggebende Grund die
geringe Bewerberanzahl. Die
Auswirkungen dieses Mangels an qualifizierten Nachwuchskräften sind für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens, bezogen auf die allgemeinen Fachkräfte und Akademiker, sehr belastend. Nicht so dramatisch wird die Situation bei Auszubildenden angesehen. Hier ist es gut ein Drittel der Unternehmen, das starke Auswirkungen spürt bzw. befürchtet.
Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass eine bessere Schulbildung und
Berufsvorbereitung die Fachkräftesituation spürbar verbessern könnte. 14 Prozent sagen, dass die
Weiterbildung von Arbeitnehmern zur Verbesserung der Qualifikation diese Situation bereinigen würde. 24 Prozent wünschen sich
qualifizierte Zuwanderung und bessere
Integration von Migranten und 10 Prozent glauben, dass eine bessere
Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Fachkräftesituation verbessert. Lediglich drei Prozent setzen auf die
höhere Erwerbsbeteiligung Älterer.
ResümeeBereits heute gehören für fast ein Fünftel der Unternehmen Nachhilfe und Angebote für lernschwächere Schüler zum Alltag. Um dem zu erwartenden sinkenden Angebot an ausbildungsfähigen jungen Menschen entgegen zu wirken, müssen große Anstrengungen gemacht werden. Denn die Zukunftsaufgaben sind laut unserer Umfrage eindeutig und liegen auf der Hand:
- Förderung Lernschwacher zur Befähigung für eine Berufsausbildung
- Anschließende durchgängige Begleitung im dualen System mit dem Ziel eines qualifizierten Berufsabschlusses
- Stetige Qualifizierung und Weiterbildung leistungsschwacher Mitarbeiter
Fragen bitte an Reinhold Maisch, Pressestelle des Verbandes der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen, Bezirksgruppe Offenbach- Hanau e. V.
Telefon 069 8600429 62, Fax 069 8600429 63
rmaisch@hessenmetall.de