Wirtschaftszeitung Aktiv vom 18.06.11
Sechs Zylinder aus einem Guss
3 400 Mitarbeiter: Bei Fritz Winter brummt es wieder
1400 Grad Celsius: In zwei Kupolöfen werden rund um die Uhr riesige Mengen Eisenschrott eingeschmolzen.
Stadtallendorf. Sorgfältig kontrolliert Johannes Euler (20) noch mal das große Kernpaket aus Sand. Schon jetzt ist zu erahnen, was daraus entstehen soll: ein Sechs-Zylinder-Motorblock. In diesem Fall für einen Lastwagen von MAN. Seit einem halben Jahr arbeitet der gelernte Kraftfahrzeugmechatroniker in einer „Kernmacherei“ der Eisengießerei Fritz Winter in Stadtallendorf. Hier entsteht das Innenleben der meist hochkomplizierten Gussteile für die Fahrzeug-Industrie.

„An den Schichtbetrieb musste ich mich erst gewöhnen“, sagt Euler. „Aber
die Arbeit macht Spaß. Und ich habe mit den entsprechenden
Weiterbildungsangeboten gute Chancen, weiterzukommen.“
Einstieg geglückt: Johannes Euler (20), der hier ein Kernpaket aus Sand für den Guss vorbereitet, profitierte von der Einstellungswelle bei Fritz Winter
2 000 Tonnen Gussteile pro Tag Euler verdankt seinen Job dem Auftragsboom aus der Auto-Industrie, der seit Frühjahr 2010 die Gießerei auf Touren bringt. Nicht weniger als 450 Mitarbeiter wurden seitdem hier zusätzlich eingestellt. Mit aktuell 3 400 Mitarbeitern in Stadtallendorf und rund 500 Millionen Euro Jahresumsatz ist das Familienunternehmen die größte konzernunabhängige Gießerei Europas.
Geschäftsführer Martin Krebs ist erleichtert: „Das schwierige Krisenjahr 2009, in dem wir einen dramatischen Umsatzeinbruch verkraften und sogar Mitarbeiter entlassen mussten, liegt damit endgültig hinter uns.“ Das 1951 gegründete Unternehmen Fritz Winter zählt zu den führenden Herstellern von Eisengussteilen für die Automobil-Industrie. Rund 120 Millionen Euro hat es in den letzten Jahren in seinen Maschinenpark investiert.
Gearbeitet wird weitgehend an roboterunterstützten Produktionsstraßen. Rund 2 000 Tonnen Teile werden Tag für Tag ausgeliefert, für Bremsen, Fahrwerke, Motoren und die Hydraulik.
Geschäftsführer
Martin Krebs: „Unser Erfolg beruht auf der Kompetenz unserer Mitarbeiter.” Fotos: Möltgen, Scheffler(3)
Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird über den Export erzielt. „Mit unseren Innovationen gehören wir zur Weltspitze, gelten als Technologieführer“, erklärt Krebs. Und betont: „Unser Erfolg beruht auf der Kompetenz unserer Mitarbeiter in Entwicklung und Produktion.“
Raffinierte MaterialienDie Königsdisziplin, so erläutert der Geschäftsführer, ist der Guss von Motorblöcken mit nur drei Millimetern Wandstärke. „So machen wir Fahrzeuge leichter. Das spart Sprit und schont die Umwelt.“ Die Entwicklungsabteilung arbeitet ständig an neuen Guss-Materialien. Zum Beispiel an gekonnten Aluminium-Eisen-Verbindungen für die Leichtbauteile. Aber auch an speziellen Legierungen, die den Verschleiß bei Bremsscheiben und Bremstrommeln verringern oder die etwa den Zylinderköpfen eine besonders hohe Wärmeleitfähigkeit verschaffen. (Maja Becker-Mohr)
Ein Betrieb mit Herz für Tiere
Minka? Mikesch? Nein – auf einen speziellen Namen hört diese rotgetigerte Katze nicht. Sie ist eine von vielen, die auf dem Areal der Eisengießerei Fritz Winter ein Zuhause gefunden haben. Am Rande des Werkgeländes stehen für die Samtpfoten kleine Hütten, und es gibt Futter. Einmal im Jahr werden sie beim Tierarzt untersucht und geimpft. Geschäftsführer Martin Krebs: „Für uns gehören sie
hier einfach dazu.“