Wirtschaftszeitung Aktiv 25.05.2009
Pumpen gehen auf große Fahrt
Herborner Pumpenfabrik ist Weltmarktführer bei Abwassertechnik auf Schiffen
Herborn. Sonne satt, Blick aufs Meer und auf hoher See im Pool nach Herzenslust plantschen: Kreuzfahrten auf Clubschiffen sind beliebt. Über 300 000 Menschen buchten 2008 ihre Urlaubsreise allein bei AIDA, Tendenz steigend.
Herborner Pumpenfabrik ist Weltmarktführer bei Abwassertechnik auf SchiffenEine Herausforderung auch für die Industrie. Zigtausende von Gläsern, Tellern und Bestecken müssen an Bord täglich gespült, un gezählte Handtücher gewaschen werden. Auch Duschen verbraucht Wasser. Auf der Erde und erst recht auf einem Schiff ist es ein kostbares Gut, mit dem sorgsam umgegangen wird.

So kommen zum Beispiel die Toilettenanlagen dank Vakuumtechnik mit einem halben bis eineinhalb Litern Wasser aus – üblich sind acht Liter. Pumpen transportieren selbst dickflüssiges Abwasser in die Mini-Kläranlage an Bord.
Mit der US-Navy fing alles anDort wird es in einem ausgeklügelten erfahren gereinigt und aufbereitet. Der Rest-Schlamm wartet auf den nächsten Hafen. Klar, dass Pumpen auf Schiffen eine besondere Rolle zufällt. „Die dürfen alles, nur nicht ausfallen“, sagt Wolfram Kuhn, Geschäftsführer der Herborner Pumpenfabrik. Der Traditions-Familienbetrieb (135 Jahre alt, 150 Mitarbeiter, 18 Millionen Euro Umsatz 2008) gilt als Weltmarktführer für die Abwassertechnik auf Schiffen.

Wolfram Kuhn: "Mit einem neuen Produkt vor allen anderen im Markt sein, ist wichtriger als ein Patent."
Mit Pumpen für die amerikanische Marine fing alles an. „Und bis heute gehören Navy und US-Küstenwache zu unseren Kunden“, so Kuhn, UrurEnkel des Firmengründers. Zudem setzen über 70 Prozent aller Schwimmbäder in Mitteleuropa auf Technik aus Herborn. Ein weiteres Standbein: Spezialpumpen für die kommunale Ver- und Entsorgung, für Industrie und Anlagenbau.
Motorwärme heizt Wasser„Probleme unserer Kunden führten schon oft zu Neuentwicklungen, die sich heute stark um Umweltfreundlichkeit und sparsamen Verbrauch drehen“, erläutert der Technische Leiter Sascha Korupp. Alles entsteht in Absprache mit den Abnehmern. Als Renner entpuppte sich eine Energiesparpumpe, die als Nebeneffekt durch einen Wärmetauscher Motorwärme nutzt, das Schwimmbadwasser etwas höher zu wärmen. Kuhn: „Wir denken und wir hören gut zu. Vielleicht ist das das Geheimnis unseres Erfolgs.“ In den letzten Jahren wurde kräftig in den Standort investiert. Über 1 Million Euro kostete allein ein neues Gebäude einschließlich Hochregallager und moderner Lackiererei. Prunkstück der Fertigung ist die Verkettung der Bearbeitungszentren mittels Palettenhandhabungssystem. Nächstes Ziel: eine modernere Guss-Straße. Ein Induktionsschmelzofen für die eigene Gießerei soll angeschafft werden.
Die PrüfungWas Besseres, als dieser Job, konnte mir nicht passieren.“ Tobias Henrich liebt seine Arbeit im Prüfstand. Jede Pumpe wird von ihm genau kontrolliert, ehe sie das Werk verlässt. „Schließlich muss auch der Dauerbetrieb einwandfrei funktionieren“, sagt der gelernte Energie-Elektroniker.

Alle Zulieferer des Herborner Betriebs kommen aus deutschen Landen. Kuhn: „Herborner Pumpen sind durch und durch ,Made in Germany’.“ Maja Becker-Mohr
Info: Herborner Pumbenfabrik
Im Internet unter
www.herborner-pumpen.de