Wirtschaftszeitung Aktiv vom 26.03.11
Feuer, Wasser, Erde, Luft
Duktus ist der Rohr-Spezialist mit Buderus-Wurzeln
Jürgen Fritsch: "Wir hoffen, dass sich der Name Duktus wie einstmals Buderus weltweit durchsetzt"
Wetzlar. Rot glühend
liegt das tonnenschwere
Eisenrohr da.
Noch ist der Koloss
700 Grad heiß. Doch
schon bald wird frisches,
klares Trinkwasser
hindurchfließen.
Das Rohr ist nur ein
kleines Teilstück für einen
kilometerlangen Trinkwasser-
Transportweg, der im Irak gebaut
wird. Die Qualität der
Leitungen von Duktus in
Wetzlar ist in dem Wüstenstaat
bestens bekannt.
Duktus-Rohre sind duktil.
Das heißt, das Eisen ist verformbar
und nicht vollkom-
Rotierend zum Rohr: Flüssiges Eisen
wird in drehende Gussformen gegossen.
Das Metall schmiegt sich dann an die Innenwand
an, und es entsteht ein Rohr mit
besonderen Eigenschaften. „Mit korrosionsverhindernden
Beschichtungen
und Spezialauskleidungen
können sie weit über 100 Jahre
selbst extreme Belastungen
aushalten“, erläutert Oberschmelzer
Jürgen Fritsch. In
seiner Abteilung werden jährlich
rund 100 000 Tonnen Eisenschrott
bei 1400 Grad Celsius
zum Schmelzen gebracht,
Ausgangspunkt.
Niederlassung in DubaiBeim Schleudergussverfahren
wird das flüssige Eisen in
riesige Kokillen gegossen. Die
rotieren um die eigene Achse,
sodass sich der Werkstoff
gleichmäßig an die Innenwand
schmiegt und zum Rohr
formt. „Bei uns geht es tagtäglich
um die Grundelemente
des Lebens, um Feuer, Wasser,
Erde und Luft. Das ist immer
wieder beeindruckend“, so Ulrich
Päßler, Mitglied der Geschäftsführung.
Das Unternehmen
ist Teil der
Duktus-Gruppe. Sie ist Technologieführer
im Tiefbau und
in der Wasserwirtschaft.
Der Name Duktus steht für
den duktilen Guss, für Führung
und Verbindungs -
leitungen. Er wurde 2010
ein geführt, um den Traditi -
ons unternehmen Buderus
Guss rohrtechnik und den Tiroler
Röhren- und Metallwerken
als nun selbstständiger
Unternehmensgruppe einen
neuen gemeinsamen Firmenund
Markennamen zu geben.
Produziert wird in Wetzlar
(300 Mitarbeiter) und am
Stammsitz in Hall in Tirol
(200 Beschäftigte). In Dubai,
Vereinigte Arabische Emirate,
betreut eine eigene Vertriebsniederlassung
den wichtigen
Wachstumsmarkt Mittlerer
Osten. Rund 60 Prozent des
Duktus-Umsatzes werden im Ausland erzielt.

Problemlöser in
schwierigem GeländeEntwickelt und produziert
werden komplette Rohrleitungssysteme,
von der Trinkwasserversorgung
bis zur Beschneiungsanlage.
Zudem fertigt Duktus
Rammpfähle aus Gusseisen
für das Bauen auf wenig tragfähigem
Grund.
Gegen billige Massenware
aus Indien oder China kann
das Unternehmen nicht konkurrieren.
„Wir verstehen uns
vielmehr als Problemlöser und
suchen die Anwendungen abseits der 08/15-Rohre“, betont
Stefan Weber,
ebenfalls Mitglied
der Geschäftsführung. So hat Duktus einen besonderen Verriegelungsmechanismus
entwickelt, der die Rohre
sicher und wasserdicht verbindet
ohne aufwendige Schweißarbeite. Spezialbeschichtungen
schützen das Material vor
Rost. Zudem hat sich Duktus
spezialisiert auf die grabenlose
Verlegung von Rohren.

Noch muss sich der neue
Name Duktus am Markt endgültig
durchsetzen. Oberschmelzer
Fritsch, dessen Vater
bereits bei Buderus als Meister
im Schmelzbetrieb beschäftigt
war, ist zuversichtlich: „Unsere
Arbeit, die Qualität und die Innovationskraft
ist die Gleiche
geblieben. Jetzt hoffen wir, dass
sich der Name Duktus wie
einstmals Buderus weltweit
durchsetzt.“
Ulrich Päßler (links) und Stefan Weber: "Wenn es knifflig wird kommt man zu uns"
MAJA BECKER-MOHR