Wirtschaftszeitung Aktiv vom 16.07.11
„Das ist wie ein Sechser im Lotto“
Elektronik-Spezialist EFEN: Verkauf brachte neue Chancen für Mitarbeiter
Kompetenzzentrum: Markus Hettig und Michael Lehr zeigen Lastschaltleisten, die in Eltville entwickelt wurden.
Schwere Zeiten liegen hinter den Mitarbeitern des
Elektrotechnik-Spezialisten EFEN in Eltville. Die Produktion wurde nach
Brandenburg verlegt, weil am alten Standort Erweiterungen nicht möglich
waren. Doch inzwischen arbeiten auf dem Werkgelände wieder genauso viele
Menschen wie früher – in drei Firmen.
Eltville. Wie kommt der Strom sicher in die Steckdose? Dafür, dass es nicht knallt und sich niemand verletzt, arbeiten die Fachleute der EFEN GmbH. Der Name entstand aus der Elektrotechnischen Fabrik Eltville-Neudorf (heute Martinsthal). „Unsere Produkte sorgen weltweit für eine störungsfreie Stromversorgung von der Erzeugung bis zum Endverbraucher“, sagt EFEN-Geschäftsführer Michael Lehr, „sie schützen Menschen und Anlagen vor den Auswirkungen von elektrischen Kurzschlüssen und Überströmen.“ Sein Kollege Markus Hettig ergänzt: „Wir gelten als wegweisend auf dem Gebiet der

Stromsicherheit, egal ob die Energie über Kohle, Atomkraft, Sonne oder Wind erzeugt wird.“
Zu den Aufgaben von Techniker Lothar Macht gehört auch der Prototypenbau.
Noch vor wenigen Jahren aber sah es alles andere als rosig aus. Zwar ist EFEN – dessen Grundstein Otto Frees 1922 durch die Entwicklung einer Auto-Sicherung gelegt hatte – seit 1986 auf Sicherungen für die Energieversorgung spezialisiert. Tierschutz war Behörden wichtiger Anfang 2000 aber war es mit dem Boom dieser Produkte erstmal vorbei. Die Privatisierung der Energieversorger führte dort zu einem Investitionsstopp. Bei EFEN gab es Kurzarbeit. Die Firma wurde an einen amerikanischen Investor verkauft. 2006 übernahm die Schweizer Weber AG – ein Unternehmen der Hager Group – EFEN.Weber wollte modernisieren und erweitern, doch daraus wurde nichts. Denn

das Werkgelände liegt in einem Naturschutzgebiet. Dort lebt die vom Aussterben bedrohte Äskulapnatter. „Der Schutz der Schlangen hatte bei Behörden Priorität“, erinnert sich Lehr. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wurde die Produktion deshalb 2007 am Standort Uebigau in Brandenburg (heute 130 Mitarbeiter) ausgebaut.
Produktentwickler vermessen jedes Bauteil vor der Serienreife.Der Stammsitz in Eltville wurde zum Kompetenzzentrum für Entwicklung und Vertrieb. Dort sind heute 60 Mitarbeiter beschäftigt. Teile aus dem Bereich Produktion in Eltville übernahmen die beiden ehemaligen Montagemeister Jürgen Schauß und Michael Leonhard. In Absprache mit EFEN gründeten sie auf dem Gelände den Industrie Montage Service IMS – und stellten frühere Kollegen ein. Vor vier Jahren ging es los:

Sie nutzen seitdem die vorhandenen Produktionsräume und Anlagen. „Maschinen und Arbeit waren da. Also haben wir Verträge gemacht, die Arbeitszeit auf 40 Stunden erhöht und losgelegt“, sagt Schauß. Von Anfang an dabei war die ehemalige EFEN-Mitarbeiterin Elke Scherzer. „Für mich war das wie ein Sechser im Lotto“, freut sich die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Wie früher arbeitet sie jetzt mit 45 Kollegen hier.
Am Standort geblieben: Durch IMS, die neue Firma von J. Schauß und seinem Kollegen, behielt Elke Scherzer ihre Arbeit: „Für mich das große Glück.“
Weitere Firma kam an den Standort
Hergestellt werden Einzelstücke, Kleinserien und die Vorproduktion von neu entwickelten Teilen. Zudem lassen inzwischen auch andere Unternehmen der Hager Group hier produzieren. Eines davon ist Atral-Secal. Vor zwei Jahren zog der Hersteller von elektrotechnischen Produkten mit 25 Mitarbeitern auf das Werkgelände. Für Atral stellt die IMS nun unter anderem Rauchmelder her – unter dem gleichen Dach. MAJA BECKER-MOHR
Neu am Standort: Brandschutztechnik wie
Rauchwarnmelder ist die Spezialität von Atral-Secal.
INFO: HAGER GROUPDie EFEN GmbH und Atral-Secal in Eltville gehören zur Hager Group. Hager ist ein unabhängiges, familiengeführtes Unternehmen und produziert elektrische Bauteile und Geräte an 20 Standorten in 11 Ländern. Etwa 80 Prozent aller Zählerplätze in Deutschland kommen von Hager. Weltweit hat die Gruppe mehr als 11200 Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 1,42 Milliarden Euro erwirtschafteten.
www.efen.com.