Herbstumfrage von HESSENMETALL
Die Metall- und Elektro-Industrie ist aus die Talsohle heraus, aber nicht über
dem Berg. Im Kurs stehen Kostensenkung und forcierte Innovation. Die
Beschäftigung wird weiter zurückgehen. Dies sind die Kernaussagen der Umfrage.
Frankfurt am Main. „Die Metall- und
Elektro-Industrie ist aus der Talsohle heraus: Geschäftsklima, Aufträge
und Produktion weisen - trotz Oktoberknick - wieder nach oben. Aber sie
ist noch lange nicht über dem Berg. Der Weg auf ein neues Hochplateau
wird - vor allem bei Erträgen und Beschäftigung - lang und steinig.
Dabei hält die M+E-Industrie ihren Stammbelegschaften die Treue,
solange es irgend geht, sogar auf Kosten der Produktivität“, sagte
Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes
HESSENMETALL, bei der Vorlage der traditionellen Herbstumfrage bei den
Mitgliedsunternehmen in Hessen. An dieser Erhebung beteiligten sich 261
Unternehmen mit 136.000 Beschäftigten. Dem Einbruch bei den Aufträgen
im ersten Halbjahr von über 30 Prozent, dem Rückgang der Produktion auf
eine Kapazitätsauslastung von 70 Prozent und einem Umsatzrückgang in
2009 um 18 Prozent stehe ein Rückgang an Jobs von nur 5 Prozent
gegenüber. Die M+E-Industrie ist mit 45 Mrd. Jahresumsatz und 202.000
Beschäftigten die größte Industrie in Hessen. Ihre Herausforderungen
2010 sieht Fasbender vor allem in der Stärkung der Betriebe und ihrer
Versorgung mit Krediten. Alles werde auch davon abhängen, dass weder
Politik noch Tarifpolitik die Unternehmen zusätzlich belasten.
Wichtigster
Aspekt der Krisenbewältigung ist für 58 Prozent die Verminderung der
Produktionskosten. Aber auch der Entwicklung neuer Produkte und
Dienstleistungen wird mit 52 Prozent ein fast ähnlich hoher Stellenwert
eingeräumt. Etwas schwächer, aber immer noch hoch beurteilt wird die
Verbesserung der Marktposition im In- und Ausland. „Kostenreduktion
plus Innovation plus Marktausweitung ist ein ermunternder
Maßnahmen-Mix“, so Fasbender weiter. Als wichtigste Maßnahme für den
Umgang mit Stakeholdern in der Krisensituation geben über drei Viertel
nachhaltige Kunden- und Lieferantenbeziehungen an. Aber auch die
Verbesserung der internen Transparenz, die Stärkung der
Mitarbeiterbindung und die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur
spielen eine wichtige Rolle. Überrascht zeigte sich Fasbender, dass
immerhin mehr als ein Drittel der Unternehmen das Engagement im
sozialen Bereich trotz Krise für wichtig hält.
Eine wichtige
Erkenntnis der letzten Monate war, dass die Unternehmen und
Einzelbranchen mit erheblichen Ungleichzeitigkeiten die Wucht der Krise
zu spüren bekommen haben. Fast zwei Drittel gaben an, die
Abschwungphase bereits verlassen zu haben. Dass sie überhaupt nicht
betroffen seien, meldeten immerhin 9 Prozent. Während die
Automobilindustrie am frühesten und heftigsten betroffen war, der
Maschinenbau mit Verzögerung, aber dann mit rapiden Rückgängen
hineingeriet, konnten sich die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen
und Geräten, von Umwelt- und Energietechnik noch gut über Wasser
halten.
Die allgemeine Geschäftslage bewerteten im Herbst 2009
fast 40 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen als befriedigend, 47
Prozent als schlecht, 13 Prozent hingegen als gut, führte Dr. Helmut
Rau, Geschäftsführer Tarifpolitik, aus. Für das kommende Halbjahr
rechnen 63 Prozent mit einer vergleichbaren Geschäftslage, 14 Prozent
erwarten Verschlechterung, aber immerhin 23 Prozent eine bessere Lage
im Frühjahr 2010.
Ihren Auftragsbestand beurteilen im Herbst
2009 55 Prozent als zu gering, 38 Prozent als ausreichend. Bis zum
Frühjahr 2010 wird sich für mehr als die Hälfte daran nichts ändern.
Aber immerhin 30 Prozent gehen von eher zunehmenden Auftragsbeständen
aus. „Auch das spricht dafür, dass die Talsohle durchschritten ist. Es
sagt aber noch nichts darüber aus, wie steil und anhaltend der Aufstieg
wird“, so Rau weiter.
Aufstiegsaussichten aus einem tiefen Tal
zeige auch die Umsatzentwicklung. Bei 39 Prozent der beteiligten
M+E-Unternehmen sind die Umsätze seit Frühjahr 2009 gefallen. 32
Prozent haben vergleichbare und fast 30 Prozent gestiegene Umsätze
gemeldet. Für das kommende Halbjahr rechnen fast 59 Prozent mit eher
gleichbleibenden, 17 Prozent mit rückläufigen und 24 Prozent mit eher
steigenden Umsätzen.
Die Ergebnisse sind eingebrochen: So
melden über 45 Prozent der beteiligten Unternehmen gegenüber dem
Frühjahr 2009 gefallene Erträge. Bei über 35 Prozent sind die Erträge
vergleichbar und bei knapp 20 Prozent gestiegen. Bis zum Frühjahr 2010
erwarten 24 Prozent ein eher zurückgehendes Ertragsniveau, 57 Prozent
geben eher gleich bleibende Erträge an, aber bereits 19 Prozent hoffen
auf eher steigende Erträge.
Ihre Investitionen haben 10 Prozent
der beteiligten M+E-Unternehmen gesteigert, immerhin 57 Prozent das
Niveau halten können. Bis zum Frühjahr 2010 werden bei knapp zwei
Drittel die Investitionen eher gleich bleiben, 11 Prozent wollen sie
ausdehnen und 25 Prozent werden sie voraussichtlich senken. Wenig
Veränderung gibt es bei den Investitionsschwerpunkten. Für das kommende
Halbjahr zeigt sich eine leichte Abnahme bei den Ersatzinvestitionen
auf 41 Prozent, ein Anstieg der Rationalisierungsinvestitionen auf 26
Prozent und eine weitere leichte Zunahme der Investitionen in
Qualifikation der Mitarbeiter auf über 20 Prozent.
Beschäftigungswirksame Erweiterungsinvestitionen werden weiter
zurückfallen.
Die Anzahl der Beschäftigten hat seit Frühjahr
2009 um 1,9 Prozent abgenommen. Für das kommende Halbjahr wird mit
einer weiteren Beschleunigung des Beschäftigungsabbaus um 3,1 Prozent
gerechnet. Im Jahresvergleich zwischen Frühjahr 2010 und Frühjahr 2009
ergibt dies einen Rückgang um 5 Prozent. Besonders betroffen von dieser
Entwicklung ist mit 54 Prozent Anteil der Produktionsbereich. Das ist
der Beginn der Kapazitätsanpassung. Und dies wird auch im kommenden
Halbjahr so bleiben. Aber auch die Verwaltung wird - wie immer -
stärker vom Abbau erfasst mit 28 Prozent. Vertrieb sowie Forschung und
Entwicklung sind mit Anteilen von jeweils deutlich unter 10 Prozent
geringer betroffen.

Nach einem Absturz von minus 33 Prozent bei den Auftragseingängen im 1. Quartal, flachte der Rückgang im 2. Quartal auf knapp 30 Prozent leicht ab, was sich vor allen Dingen etwas regeren Auslandsorders verdankte.
Im 3. Quartal haben vor allem
die Inlandsaufträge durch einen Sondereffekt (Großauftrag) im Vorjahresvergleich um 25 Prozent zugelegt. Der Rückgang bei den Auslandsaufträgen flachte sich auf -14 Prozent ab, sodass das 3. Quartal insgesamt eine
Zunahme um 15 Prozent verzeichnete.

Bei einer
unveränderten Exportquote von 50 Prozent, gingen die Umsätze im 1. Quartal um 22 Prozent auf monatsdurchschnittlich
3,47 Mrd. € zurück.
Die Monatsdurchschnitte verbesserten sich zwar im 2. Quartal absolut auf
3,54 Mrd. €, was aber gegenüber Vorjahr einen beschleunigten Rückgang um 24 Prozent bedeutete.
Im 3. Quartal war auch der Rückgang gegenüber Vorjahr vermindert auf minus18 Prozent und einen Monatsdurchschnitt von 3,63 Mrd. €.
Insgesamt prognostizieren wir eine
Jahresumsatz der hessischen M+E-Industrie von 45 Mrd. €, gegenüber 55 Mrd. € im Vorjahr: -> also einen Rückgang um 18 Prozent.

Das Ranking der M+E-Branchen in Hessen nach Wertschöpfungsanteilen.