Herbstumfrage von HESSENMETALL
Unsere Fragen
Wir hatten nach Phasen, Intensität und Maßnahmengewichtung gefragt. Lassen Sie uns aber noch davor noch einen kurzen Blick zurück werfen.Vor einem Jahr hatten wir analysiert:
„Aufschwung war gestern, jetzt ist Rezessionsmanagement gefordert. Dabei muss man den künftigen Aufschwung schon mitdenken. Deshalb kommt es aktuell darauf an,
Arbeitskapazitäten nach unten anzupassen, aber die
Chancen für die Erholung nicht zu verspielen, insbesondere Fachkräfte durch das Konjunkturtal zu halten.“
Von dieser Analyse haben wir bis heute nichts zurückzunehmen. Sie gilt für den Beginn der Krise ebenso wie für die richtige Ausgangsposition für den Aufschwung.

Eine ganz
wichtige Erkenntnis der letzten Monate war, dass die Unternehmen und
Einzelbranchen von M+E mit erhebli
chen Ungleichzeitigkeiten die Wucht der Krise zu spüren bekommen haben.
Nach den Ergebnissen der Aktuellen Frage 2009 haben mit insgesamt 64 Prozent die weitaus meisten M+E-Unternehmen die Krisenphase des Wirtschaftsabschwungs bereits überwunden. Dass sie überhaupt nicht betroffen seien, melden immerhin fast 9 Prozent der Firmen.
Während die
Automobilindustrie am frühesten und heftigsten betroffen war, der Maschinenbau mit Verzögerung, aber dann auch mit rapiden Rückgängen hineingeriet, konnten sich die
Hersteller von elektrischen Ausrüstungen und Geräten, von Umwelt- und Energietechnik noch eher gut über Wasser halten.

Die Intensität der Betroffenheit wird allerdings überwiegend als stark angegeben: 71 Prozent der Unternehmen sagen, sie seien stark oder sehr stark betroffen.

Der wichtigste Aspekt für den Umgang mit der wirtschaftlichen Krisensituation ist für 58 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen die
„Verminderung der Produktionskosten“.Aber auch der
„Entwicklung neuer Produkte bzw. Dienstleistungen“ wird mit 52 Prozent ein fast ähnlich hoher Stellenwert eingeräumt.
Etwas schwächer, aber immer noch hoch und fast gleichwertig beurteilt werden die
„Verbesserung der Marktposition im Inland“ und die
„Erschließung neuer Märkte im Ausland“.Das heißt: Klarer Fokus – wen wundert es? – auf der Kostenreduktion: aber kein „zu Tode sparen“. Vielmehr wird auch die Innovation stark vorangetrieben. Und die Märkte werden – entsprechend der Exportquote von 50 Prozent – verstärkt bearbeitet: und zwar fast gleichmäßig im In- und Ausland. Es ist also die gesamte Klaviatur unternehmerischer Maßnahmen, die die Unternehmen bedienen. Und die expansiven Felder – neue Produkte und Märkte – übernehmen dabei eine wichtige Rolle.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Es ist ein Gesundschrumpfen durchaus, aber bei gesteigertem Trainingspensum.
Maßnahmen zu Kunden, Lieferanten, MitarbeiterAls wichtigste Maßnahme für den
Umgang mit Stakeholdern in der wirtschaftlichen
Krisensituation werden von über drei Vierteln der Unternehmen
„nachhaltige Kunden-
/Lieferantenbeziehungen“ angegeben.
Es geht um den Wiederaufstieg auf ein Hochplateau. Und der Weg dorthin führt über die
Ankurbelung von mehr Geschäft.
Das geht nicht ohne die Mitarbeiter:
Unter den weiteren Stakeholder-Maßnahmen spielen deshalb die
„Verbesserung der internen Transparenz, die „Stärkung der Mitarbeiterbindung“ und die „(Weiter-)entwicklung der Unternehmenskultur“ eine signifikant wichtige Rolle. Ohne die Mitarbeiter, ihr vertieftes
Verständnis der Problemsituation, ihre Leistungsbereitschaft und die soziale Anerkennung im
Unternehmen funktioniert Krisenbewältigung und damit auch der Wiederaufstieg nicht. So die Beurteilung unserer Mitgliedsunternehmen.
Überras
cht hat uns auch, dass immerhin mehr als
ein Drittel der Unternehmen das
Engagement im externen sozialen Bereich – gutnachbarschaftliche Unterstützungsleistungen, Stiftungen, Förderungen für Integration, Bildungseinrichtungen oder Kultur - für wichtig halten.Das scheint uns insgesamt ein hoher Wert zu sein – und in der Krise ganz besonders. Die hessische M+E-Industrie nimmt eine
werteorientierte Unternehmensführung ernst.
Vorrangige Herausforderungen zur Sicherung der
Betriebe sind …
- Entlastungen auf der Kostenseite
- Versorgung mit Liquidität und Krediten
- Tarifvertrag Beschäftigungssicherung statt Kurzarbeit für Unternehmen, die sich die Remanenzkosten (25 Prozent) nicht mehr leisten können.
Wie geht es nun weiter?Vorrangige Herausforderungen zur Sicherung der Betriebe sind weitere
Entlastungen für die Unternehmen auf der Kostenseite und ihre
Versorgung mit Liquidität und Krediten für Investitionen. Entscheidend ist aber auch, dass weder Politik noch Tarifpolitik die Unternehmen mit weiteren Belastungen überziehen.
Das Naheliegende jetzt ist, über Instrumente nachzudenken, wenn Unternehmen sich die Kurzarbeit wegen der immer noch hohen, 25 Prozent betragenden Remanenzkosten nicht mehr leisten können:
Hier bietet der
Tarifvertrag Beschäftigungssicherung, den wir am 17.12. 2009 für die Mittelgruppe gerne mit der IG Metall verlängern wollen, für die Unternehmen den
Vorteil einer echten Kostenentlastung, weil sich die Arbeitsreduktion vollständig in den Lohnkosten niederschlägt. Für den Arbeitnehmer hat dieses Instrument zwar den Nachteil eines befristet geringeren Einkommens, aber auch im Gegenzug die Zusicherung des Arbeitsplatzerhalts.
Dies – so erwarten wir – wird in den nächsten Monaten verstärkt auf uns und den Sozialpartner zukommen.
Schon im Januar 2009 hatten wir gemeinsam mit der IG Metall
eine besonders pragmatische Krisenunterstützung verabredet – bis hin zu einem „roten Telefon zwischen dem Bezirksleiter Armin Schild und mir. Für den Fall, dass bei „Verkantungen“ der Tarifparteien in einzelnen Unternehmen und Regionen dennoch eine rasche Lösung für das Unternehmen herbeigeführt werden muss. Und rückblickend kann ich sagen: Es hat einige Fälle gegeben, in denen das sehr geholfen hat.
Auch insgesamt lässt sich sagen, dass HESSENMETALL und IG Metall in den vielen gemeinsam mit den Unternehmen besprochenen und verhandelten Problemfällen regelmäßig Lösungen gefunden haben. Diese pragmatische Kooperation zeigt eine
funktionierende Sozialpartnerschaft und die Brauchbarkeit des Tarifinstrumentariums für das ganze Spektrum der Bewältigung von Krisenaufgaben. Und das werden wir auch 2010 sehr brauchen.
Was die Kreditversorgung anbelangt haben wir mit der Landesregierung schon einiges verabredet – und in mehreren Informationsveranstaltungen mit dem Wirtschaftsminister darüber informiert. Hier sehen wir durchaus noch Potenziale. Wir haben als Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände mit den Spitzenverbänden der Finanzwirtschaft auch eine Vereinbarung getroffen, die eine Selbstverpflichtung der Banken enthält, die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen angemessen zu berücksichtigen. Noch gezieltere Hilfen für den Mittelstand aufzulegen könnte eine weitere Stufe der Unterstützung werden.

Die M+E-Industrie hat die Talsohle durchschritten und befindet sich auf dem Weg zurück auf ein neues Hochplateau. Aber der Weg dorthin ist steinig und es wird lange dauern.
Dass die kommenden Jahre für Unternehmen, die Politik und den Bürger unter dem Diktat des
Schuldenrückbaus und Sparens stehen wird, steht außer Frage. Ebenso aber auch, dass die
Expansion im Wettbewerb und die Zukunftssicherung nicht zurückgefahren werden (dürfen).
Aber völlig ungewiss ist, wann die für die Weltwirtschaft so wichtige Konjunktur in den USA wieder anspringt. Ob die konjunkturelle Erholung in China und den Schwellenländern trägt. Und wie stark das Problem der Kreditklemme, die noch nicht flächendeckend ist, aber zunimmt, sich zu Hürden beim Aufstieg der Realwirtschaft, der am schwersten von der Krise betroffenen Exportwirtschaft und der M+E-Industrie aufbauen wird.
Dass es keinen Verteilungsspielraum für Entgeltsteigerungen (und natürlich auch nicht für politische Wohltaten) gibt, liegt ebenfalls auf der Hand. Und dass dies zu verstärkten gesellschaftlichen Spannungen führen wird, ist ebenfalls zu erwarten. Dadurch wächst aber auch der Druck auf die Politik, nach dem rechtzeitigen Exit aus den Konjunkturprogrammen die Sozialversicherung zukunftsfest zu machen, um den Menschen mehr Netto vom Brutto auf Dauer zu ermöglichen. Besonders ermutigend ist die Einstellung und das Verhalten der hessischen M+E-Unternehmen in doppelter Hinsicht:
Ihr
zupackender Maßnahmen-Mix aus Kapazitätsanpassung und Expansion in neue Produkte und Märkte, sowie die Treue ihren Stammbelegschaften gegenüber, die sie so lange wie möglich haltenwerden.
Die bittere Wahrheit ist aber auch: Alle werden es nicht schaffen. Manche Betriebe werden es gar nicht schaffen. Und manche werden zur Sicherung der Existenz ihrer Betriebe auch Personal abbauen müssen.
Wir begrüßen, dass die Bundesregierung die Bezugsdauer der Kurzarbeit ausgedehnt hat und dies zur Jahresmitte noch einmal prüfen will. Dadurch können und werden Unternehmen ihre Überbrückungsmaßnamen verlängern.
Unserer
Industrie kommt es hier aber auch darauf, die Remanenzkosten weiter zu senken. Die Diskussion darüber ist voll entbrannt.
Frankfurt am Main, 9. Dezember 2009