Frühjahrsumfrage 2010


Um unsere Frühjahrs-Umfrage bei der M+E-Industrie, in der wir  Unternehmen befragt haben, richtig einzubetten,  möchte ich Ihnen vorab vorstellen:
  • Die allgemeine Lage der M+E-Industrie in Deutschland und ihre   Branchen-Logik. Denn dieser Branchen-Logik wird sich   die hessische M+E-Industrie nicht entziehen können.
  • Außerdem lassen wir das Hessische Statistische Landesamt   monatlich die M+E-Daten zu Aufträgen, Umsätzen und   Beschäftigung erheben. Hier können wir Ihnen heute die   Entwicklung der hessischen M+E-Industrie bis   Februar 2010 darstellen.
  • Erst im Rahmen der M+E-Branchenlogik in Deutschland    und der tatsächlichen Entwicklung der M+E-Branche in   Hessen wird das Stimmungsbild unserer Umfrage richtig   aussagekräftig.




Bei den Auftragseingängen…
… ist der Start in das Jahr 2010 gut gelungen.   5,7 Prozent mehr als vor einem Jahr insgesamt, davon 6 Prozent  im Inland, und 5,4 Prozent aus dem Ausland.

Diese Zuwächse zeigen eine deutliche Belebung.




Der Trend beim Auftragseingang zeigt dabei in allen Branchen nach oben:
  • Spitzenreiter ist der Fahrzeugbau mit einer Steigerung um 8,2 Prozent,
  • gefolgt von der Elektro-Industrie mit einem Plus von 4,5 Prozent,
  • dem Maschinenbau mit 3,4 Prozent Steigerung und
  • der Metallverarbeitung mit plus 2,5 Prozent.




Die Zahl der Kurzarbeiter hat sich von knapp 1 Mio. auf die Hälfte reduziert und nimmt weiter ab.





Die volkswirtschaftliche sinnvolle Beschäftigungssicherung haben sich die M+E-Unternehmen mit deutlichen Produktivitätsverlusten von minus 12,5 Prozent und um fast 20 Prozent gestiegene Lohnstückkosten erkauft.

Das ist kein Klacks. Wir sind nicht einfach „mal ein bisschen teurer“ geworden. Sondern wir sind ja sowieso auf dem Weltmarkt die Qualitätsanbieter an der oberen Preisgrenze.
Deshalb müssen wir hier zurückkehren auf den Pfad der Tugend und die Lohnstückkosten wieder senken.  Andernfalls ist die erkaufte Beschäftigungssicherung nur eine sehr kurzfristige. 




Eine so optimistische Bewertung der Geschäftslage hat es in der Geschichte der Ifo-Befragungen noch nicht gegeben.
  • 55 Prozent der Firmen melden „gut“
  •  nur 6 Prozent melden „schlecht“
  • 39 Prozent befriedigend.
Die Geschäftserwartungen sind demgegenüber verhaltener
  • 21 Prozent rechnen mit weiterer Verbesserung
  • allerdings auch nur 7 Prozent mit einer Verschlechterung
  • der große Rest von 72 Prozent hingegen mit keiner Veränderung.
Die Erwartungen bei der Beschäftigung waren im Dezember erstmals seit 2005 wieder per Saldo positiv.


Die Lage der hessischen M-E Industrie

Auch im Februar 2010 sind die Auftragseingänge in der hessischen M+E-Industrie im Vorjahresvergleich deutlich angestiegen – bedingt durch kräftige Zuwächse aus dem Ausland.
Die Umsätze haben ebenfalls von den Auslandsaktivitäten profitiert, während die Inlandsumsätze rückläufig waren.

Die Beschäftigung geht noch weiter zurück, aber längst nicht im Ausmaß der Umsatzrückgänge. Inzwischen verlangsamen sich die Rückgänge. Die Kurzarbeit wird deutlich zurückgefahren. Zeitarbeitnehmer werden wieder deutlich verstärkt nachgefragt.




Die Umsätze
Die Umsätze steigen wieder in der hessischen M+E-Industrie. Aber die Umsatzzuwächse im Februar 2010 sind gegenüber Vorjahr etwas schwächer als noch im Januar ausgefallen.
Insgesamt ist mit 3,7 Mrd. € um 1,9 Prozent mehr als vor einem Jahr umgesetzt worden.
Dabei haben die Umsätze mit Geschäftspartnern im Inland mit 1,6 Mrd. € um 4,3 Prozent nachgegeben.  Die Auslandsumsätze sind dagegen um 7,3 Prozent auf
2,1 Mrd. € gestiegen.

Damit hat die Exportquote im Februar einen Stand von 56,5 Prozent erreicht – der höchste Wert seit zwei Jahren.




Die Umsatzverteilung
Das Ranking der M+E-Branchen in Hessen nach Umsatzanteilen:
Automobil -  über ein Viertel 
Maschinenbau  - knapp ein Fünftel
Metallerzeugung, Gießereien -   ein Achtel
Metallerzeugnisse  -  ein Achtel
Sonstige M+E-Branchen -   ein gutes Zehntel
Elektrische Ausrüstungen -   ein Zehntel
DV-Geräte, elektrische und optische Erzeugnisse -   knapp ein Zehntel
Sonstiger Fahrzeugbau  -  2 Prozent.


Die Stimmung

Vorbemerkung: HESSENMETALL hat seine Mitgliedsunter-nehmen im Frühjahr 2010 in einer „Blitzumfrage“ nach ihren Einschätzungen über die aktuelle wirtschaftliche Situation und die weitere Entwicklung ihres Unternehmens befragt. An dieser Erhebung haben sich 136 Mitgliedsunternehmen mit fast 54.000 Beschäftigten beteiligt.

Noch im Herbst 2009 hatten die Unternehmen der hessischen Metall- und Elektro-Industrie ihre Lage sehr skeptisch beurteilt. Die überwiegende Anzahl der beteiligten Unternehmen hatte auch für die Zukunft eine problematische Geschäftslage angenommen, wenngleich einige Unternehmen bereits den Tiefpunkt der Krise überwunden zu haben meinten.
Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zeigen, dass sich die Einschätzungen deutlich verbessert haben: Dies gilt sowohl für die gegenwärtige Situation als auch die weitere Entwicklung.




Beurteilung der allgemeinen Geschäftslage

Die Lage im Frühjahr 2010 wird von fast der Hälfte der hessischen M+E-Unternehmen (48 Prozent) als „befriedigend“ beurteilt, für 27 Prozent stellt sie sich sogar als „gut“ oder „sehr gut“ dar. Allerdings ist ein Viertel immer noch im Segment „schlecht“ oder „sehr schlecht“ angesiedelt.
Im Vergleich zum Herbst 2009 hat sich die Situation aber  verbessert. Beim Blick in die Zukunft bis zum Herbst 2010 äußern sich 37 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen optimistisch: Sie rechnen mit einer weiteren Verbesserung. Für 56 Prozent bleibt es „vergleichbar“. Und lediglich 7 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.




Umsatzentwicklung
Auch die Angaben zur Umsatzentwicklung zeigen eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Herbst 2009: So geben 51 Prozent der M+E-Unternehmen an, die Umsätze seien im vergangenen Halbjahr „gestiegen“. Für 29 Prozent sind sie „vergleichbar“ geblieben. Bei 17 Prozent hat jedoch ein weiterer Umsatzrückgang stattgefunden.
Für das kommende Halbjahr bis zum Herbst 2010 rechnen 44 Prozent mit „eher steigenden“ und 47 Prozent mit „eher gleich bleibenden“ Umsätzen – gegenüber 9 Prozent, die von „eher fallenden“ Umsätzen ausgehen



Entwicklung der Investitionen

Die Entwicklung der Investitionen wird angesichts der andauernden Unsicherheiten über die weitere Entwicklung von den M+E-Unternehmen noch zwiespältig beurteilt:
Mit 52 Prozent geben die meisten Unternehmen an, ihre Investitionen seien gegenüber dem – nicht besonders positiven Stand – Herbst 2009 „vergleichbar“ ausgefallen. 23 Prozent haben ihre Investitionen sogar weiter herunterfahren müssen, aber immerhin 25 Prozent melden „gestiegene“ Investitionen.
Für die nächsten sechs Monate bis zum Herbst 2010 gehen fast zwei Drittel der Unternehmen davon aus, dass ihre Investitionen eher auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben werden, 21 Prozent nehmen „eher steigende“ Investitionen an, 13 Prozent „eher fallende“.


Die Sonderfrage der Frühjahrsumfrage zielte auf das Innovationsverhalten unserer Industrie

Vor dem Hintergrund einer gewaltigen Aufholjagd der Schwellenländer wird sich der internationale Wettbewerb weiter verschärfen. Ähnlich wie Japan in den 80er-Jahren starten nun vor allem China, Indien und Brasilien durch. Und zu erwarten ist, dass auch sie erst einmal ihre Kostenvorteile ausspielen und sehr viel kopieren werden, um danach vielleicht – wie die Japaner – mit ihrer Produktionsrevolution „Lean Manufactoring“ auch das Feld der Prozess- und Management-Innovationen besetzen werden. Um so wichtiger ist es für unsere Industrie ihr Innovationstempo weiter auszubauen, aber auch ihren noch zu engen, auf Technologie fokussierten Innovationsansatz stärker um die Management-Innovationen zu ergänzen.




82 Prozent der an der aktuellen Umfrage beteiligten hessischen M+E-Unternehmen geben an, dass sie im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) aktiv sind.
Der Schwerpunkt liegt dabei mit 37 Prozent in der „Verbesserung bestehender Produkte“.
31 Prozent konzentrieren sich auf die „Einführung neuer Produkte“ und 20 Prozent auf „Prozessinnovationen“. Die „Einführung neuer Dienstleistungen“ (7 Prozent) und die „Verbesserung bestehender Dienstleistungen“ (6 Prozent) nehmen dagegen einen deutlich geringeren Stellenwert ein.


Der Anteil der F&E-Investitionen an den Gesamtinvestitionen macht im Durchschnitt der Meldungen etwa 15 Prozent aus. Dies hat sich im vergangenen Jahr bei 72 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen nicht geändert, bei 18 Prozent ist der Anteil aber sogar noch erhöht worden und lediglich 10 Prozent melden eine Verringerung.
Im laufenden Jahr planen 79 Prozent der Unternehmen, ihre F&E-Investitionen „eher beizubehalten“, 19 Prozent wollen sie erhöhen und lediglich 2 Prozent verringern.


Fazit

  • Deutliche Verbesserung der Auftragseingänge, allmähliche Erholung bei Produktion und Umsätzen, zeigen, dass der Konjunkturmotor M+E in Deutschland und in Hessen wieder Fahrt aufnimmt
  • Der verbesserten Lage entspricht eine deutliche Verbesserung der Erwartung: fundierter Optimismus und Aufbruchsstimmung.
  • Die „nachlaufende“ Beschäftigung folgte dem starken Einbruch von Auftragseingängen und Produktion nicht, weil die Unternehmer ihren Belegschaften die Treue hielten. Die Rückgänge sind inzwischen  rückläufig, Kurzarbeit wird weiter zurückgefahren und die Nachfrage nach Zeitarbeitnehmern   steigt deutlich.
  • Das Innovationstempo ist hoch, der F&E-Anteil zieht wieder leicht an. Aber wir stehen vor gewaltigen Umbrüchen z. B. auf den Feldern Mobi-lität, energieeffiziente Technologien und in der Unternehmenskultur. Mehr dazu wollen wir ihn heute auf dem Hessenforum aus unserer  Mitgliedschaft berichten und die Unternehmensvertreter selbst zu Wort kommen lassen.
  • Eine Kreditklemme gibt es momentan nicht. Aber für ein Zehntel der Unternehmen ist es problematisch, an Kredite zu kommen.


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