Prioritäten setzen!
Jörg E. Feuchthofen, Geschäftsführer Bildungs- und
Gesellschaftspolitik von HESSENMETALL in Aktiv vom 05.06.10
Unsere
Frühjahrsumfrage hat gezeigt, dass die hessische M+E-Industrie bei
Innovation ordentlich aufgestellt ist. Aber der Mittelstand muss seine
Forschung und Entwicklung noch viel systematischer betreiben. Und auch
mit dem Technologietransfer aus den Hochschulen klappt es in Hessen noch
nicht so recht. Das sind zwei erste Ergebnisse einer Studie zur
„Innovation im hessischen Mittelstand“, die wir auf dem nächsten „Tag
der hessischen Industrie“ vorstellen werden. Innovationen entstehen
durch Gleichzeitigkeit wissenschaftlicher und produktorientierter Denk-
und Vorgehensweisen. Immer wichtiger wird der frühe Praxistest, der
Forschungsergebnisse „marktrobust“ macht und dann besser industriell
verwertet .
Um diese Erkenntnis für Hessen nutzbar zu machen,
muss es künftig mehr Schwerpunkte beim Technologietransfer, also echte
„Leuchttürme“, geben – und diese über alle Ebenen (EU, Bund, Land)
vernetzt. Anstelle der bisher sektoral angelegten und wenig verbundenen
Förderansätze muss die Politik Rahmenbedingungen schaffen, Wirtschaft,
Wissenschaft und Administration konsequenter zu verzahnen. Das macht den
Einsatz öffentlicher Mittel effizienter.
Kurz: Priorisierung
ist das Gebot der Stunde. Es braucht Synergien, die insbesondere die
Marktrelevanz der Förderprojekte als gleichberechtigtes Kriterium neben
die wissenschaftliche und technologische Entwicklung stellen. Besonderes
Augenmerk muss auf Branchenentwicklungen gelegt werden, die neuen
Produktionszyklen, vor allem zwischen Produkten und Dienstleistungen
folgen. Politik und Wirtschaft haben Einiges zu tun. Packen wir es an!
„Mehr
Leuchttürme im Technologietransfer“
Wer den Wettkampf mit den
dynamischsten Volkswirtschaften der Welt in den nächsten Jahren
ausschließlich über Effizienz und Kostenmanagement gewinnen will, wird
scheitern. Denn es ist nicht mehr nur das Kostenniveau, sondern
verstärkt die Innovationskraft, die für uns zur größten Herausforderung
wird.
Deshalb haben wir unser Hessenforum unter den Titel „Zur
Innovation verdammt“ gestellt. Die M+E-Industrie verfügt zwar mit
durchschnittlich einer Produkt- oder Prozessinnovation pro Unternehmen
und Jahr über ein ordentliches Innovationstempo. Allerdings wird in
Deutschland Innovation noch zu sehr auf technologische Erneuerung und zu
wenig auf Management-Innovationen fokussiert.
Gerade mit der
Management-Innovation „Lean Manufacturing“ hat Japan inden 80er-Jahren
seinen industriellen Siegeszug um die Welt angetreten. Eine ähnliche
Herausforderung sehen wir nach der Phase des Kopierens und
Kostendrückens auch bei den Schwellenländern. So
sieht sich zum
Beispiel China nicht bloß als Gewinner der Wirtschaftskrise, sondern als
Supermacht, die den Westen und seine Werte infrage stellt. Und das
trifft mit Einschränkungen
auch für Länder wie Indien und Brasilien
zu. Deshalb muss die M+E-Industrie ihr Innovationstempo weiter steigern
und Management-Innovationen stärker in den Blick nehmen.
Die
Unternehmer auf unserem Podium tun das auf je unterschiedliche Weise und
auf verschiedenen Feldern: intelligente Elektromobilität, grüne
Technologien und Gut-Drauf-Unternehmenskultur
„China stellt
Werte infrage“