Gegen steigende Energiepreise
Dr. Clemens Christmann, Geschäftsführer
Wirtschaftspolitik der VhU in Aktiv vom 23.10.10
Wege zu
bezahlbaren Energiepreisen fehlen im Energiekonzept der Bundesregierung.
Deshalb werden die Energierechnungen bei den Unternehmen weiter
steigen, obwohl sie eisern am Verbrauch sparen. Hier muss die Politik
gegensteuern. Das Energiekonzept enthält zwar richtige Ansätze für eine
Energiewende mit den vier Säulen: sinkender Energieverbrauch, steigende
Produktivität, verbreiterter Energieträgermix und höhere Effizienz. Aber
die Bundesregierung wird nur erfolgreich sein, wenn Kosten, zeitliche
Machbarkeit und wirtschaftliche Verträglichkeit im internationalen
Wettbewerb realistisch eingeschätzt werden.
Genau dies fehlt,
weil die Regierung auf einem Auge blind ist: Sie formuliert zu Recht
ambitionierte ökologische Ziele, aber es fehlen Vorschläge für das Ziel
bezahlbarer
Preise. So wären etwa für den Ausbau der erneuerbaren
Energien in Deutschland und ihren Export viel mehr Anreize für
Kostensenkungen bei Stromerzeugungsanlagen
aus Sonne, Wind und
Biomasse nötig. Die größte Enttäuschung ist aber, dass die
Bundesregierung die milliardenschweren Zusatzeinnahmen aus der
Versteigerung der CO2-Zertifikate ab 2013 nicht an alle privaten und
gewerblichen Stromverbraucher geben will, die diese Staatseinnahmen
bezahlen. Sie will das Geld für zusätzliche Ausgaben verwenden. Das
entspricht einer riesigen Steuererhöhung.
Unklüger kann Politik
nicht handeln, wenn sie Arbeitsplätze erhalten will. Wir werden weiter
über die VhU und den BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) dafür
arbeiten, dass hier Einsicht einkehrt.
„Auf einem Auge blind“